Wolgang Stumph – Oskar kommt als Klomann in den Bundestag

Medienhure – Das Medienmagazin sprach mit dem erfolgreichen Künstler, Schauspieler und Kabarettisten Wolfgang Stumph aus Dresden, der als Kommissar Stubbe im ZDF bis zu 21% Marktanteil erreicht. Selbst die Wiederholungen der nunmehr seit über 8 Jahren produzierten Krimi-Reihe erzielten dreimal so hohe Einschaltquoten als beispielsweise die Sportsendung “ran”. Daneben ist Wolfgang Stumph einen Millionenpublikum als Stankoweit aus den Sendungen “Salto Postale” und “Salto Kommunale” bekannt. Der Sachse ist am Sonntag, den 26.1.2003 (22.00 Uhr) als “Oskar, der Klomann” zu sehen.
Medienhure: Als 1989 die Mauer fiel haben Sie da eigentlich gedacht, in Dresden, im Tal der Ahnungslosen, dass Sie eines Tages als Klomann im Bundestag enden würden?

WOLFGANG STUMPH: Nein. Dass ich so eine steile Karriere mache, also sagen wir mal, vom Bahnhofsklo in Pirna über den Pinkeleventcenter vom Leipziger Hauptbahnhof bis ins Polit-Pissoir des Reichstags, dass hätte ich mir damals nicht träumen lassen.

Medienhure: Jetzt sind wir in einem Hotel im einstigen Westteil von Berlin. Ich konnte so ein bisschen das Publikum beobachten. Da kommt ja auch der Butler und trägt die Koffer…

WOLFGANG STUMPH: Nein. Ich schlepp selber hoch. Wehe das fasst einer an. Ich möchte nicht bedient werden. Die sind sehr höfflich und sehr nett hier. Aber nein, mache ich nicht. Nein. Ich lasse mich nicht gerne bedienen. Ich bedien lieber.

Medienhure: Jetzt sind uns Informationen zugespielt wurden, dass Oskar eigentlich noch Ambitionen hat im nächsten Kabinett Mitglied zu werden. Will er sich einschleussen?
WOLFGANG STUMPH: Das wäre zumindest mal eine andere Berufsgruppe. Die überwiegende Berufsgruppe sind ja Gewerkschaftsfunktionäre oder Lehrer oder so. Ein Klomann ist noch nicht dabei. Ja als Hinterbänkler mal eine Legislaturperiode, wäre schon nicht schlecht. Aber er hat auch so das Ohr an der Masse.

Medienhure: Wir haben noch weitere Informationen. Angeblich soll ein bekannter Politiker, Oskar Lafontaine, eine Gesichtsoperation gemacht haben, sich einen Schnäuzer wachsen lassen…

WOLFGANG STUMPH: Hah, dass ist Phantasie. Ich glaube der Oskar hat mit dem Oskar, der ja behauptete links sitzt das Herz – übrigens eine tolle Erkenntnis – der Oskar Strietzel hat mit dem Oskar Lafontaine überhaupt nichts zu tun. Das sind völlig unterschiedliche Ebenen und wie ich glaube, der Oskar Strietzel der hält nirgends Vorträge für viel Geld oder will nicht in der Politik tätig sein und redet trotzdem überall rein. Oskar Strietzel, der Klomann im Bundestag, der will überall reinreden. Und der würde auch gerne mitmischen.

Medienhure: Aber er nimmt doch jetzt Euros für die “Regierungsgeschäfte”?

WOLFGANG STUMPH: Richtig. Ein Euro kostet es schon bei mir. Aber er ist auch sparsam. Er hat jetzt kein vierlagiges Klopapier mehr, sondern bloß zweilagiges.

Medienhure: Jetzt haben Sie mir den Gag kaputt gemacht, wo ich doch extra “Regierungsgeschäfte” betont habe!

WOLFGANG STUMPH: (lacht) Nein, der Oskar spart. Also der Oskar Strietzel, der spart. Wenn es auch weh tut. Aber irgendeiner muss ja anfangen mit sparen. Und wenn’s beim Klopapier ist. Zweilagig.

Medienhure: Strietzel, Stubbe, Stankoweit. Wie geht es weiter?

WOLFGANG STUMPH: Am 4.4. wird es einen Film geben, da spiele ich einen Ministerpräsidenten und einen Arbeitslosen. Erwin Strunz, wieder eine ST-Figur, er ist arbeitslos und der Ministerpräsident Uwe Achimsen, die werden sich kreuzen. Sie werden als Doppelgänger gegenseitig verwechselt. Wenn der Arbeitslose auf dem Ministerpräsidentenstuhl sitzt und der Ministerpräsident auf das Arbeitsamt gehen muss, dass wird schon sehr realsatirisch werden. Meine erste Doppelrolle. Das hat einen wahnsinnigen Spaß gemacht, liegt sehr nah an der Realität, sehr sozial, sehr komödiantisch und wahnsinnig tolle Besetzung. Katharina Thalbach ist die Ehefrau von dem Strunz, beinahe hätte ich ihn mit dem Strutz aus “Go Trabi go” verwechselt. Katja Riemann, eine wunderbare Schauspielerin, spielt die Ehefrau von Uwe Achimsen. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht, dass in einer Figur genießen zu können als Wolfgang Stumph.

Medienhure: Kann es sein, dass Sie immer die positiven Figuren gerne besetzen, nur den Protagonisten spielen? Immer den, der am Ende der Gute ist?

WOLFGANG STUMPH: Der Uwe Achimsen ist keine ST-Figur und ist eigentlich auch nicht gerade der Positive, der ist schon ein bisschen gegen den Strich gebürstet. Aber wird Gott sei dank ausgeglichen von der anderen Figur. Natürlich Sie bringen mich auf eine Idee. Ich müsste eigentlich mal einen spielen… Aber selbst der Gauner, selbst derjenige, der was falsch macht, der schwindelt oder sonst etwas…

Medienhure: Wie in “Ein Sack voller Geld”?

WOLFGANG STUMPH: Wenn man eine Figur spielt, die einem eigentlich unsympathisch wäre, dann würde ich versuchen auch in der Figur, das verständlich menschliche zu suchen. Warum er eigentlich so ist. Denn keiner ist als Schlechter geboren oder als Guter, da spielt schon vieles eine Rolle. Die Gesellschaft, die Umgebung, die Partner, die Brüder, die Geschwister, die Arbeitskollegen, das Arbeitsumfeld, die Interessen, Gene. Ich glaube, selbst einen Gauner würde ich mit einem Augenzwinkern spielen.

Medienhure: Ich habe jetzt für die Recherche versucht irgendwas Negatives zu finden, aber habe nichts finden können.

WOLFGANG STUMPH: Das ist vielleicht das Negative. Nein. Das ist auch die Gefahr, wenn man von Journalisten so gesehen wird, was soll man über den berichten, es ist ja alles gut. Eine Meldung ist ja eigentlich nur eine, wenn sie skandalös ist. Vielleicht lässt dann ein bisschen das Interesse nach und ich habe mehr Ruhe für das Privatleben. Aber es besteht natürlich die Gefahr, dass sich alle auf mich stürzen, wenn ich mal vielleicht was wirklich falsch mache.

Medienhure: Man bekommt ja heutzutage bestimmte öffentliche Ämter nur mit Parteibuch? Wie ist Oskar, an den Klojob gekommen?

WOLFGANG STUMPH: Man spürt schon bei vielen Dingen, dass da irgendwo eine Partei dahinter steckt und die beeinflussen ihn bei vielen Dingen. Aber Oskar selber, den seine Partei ist der gesunde Menschenverstand. Und der findet natürlich durchweg durch die Parteien die Realsatire. Und macht eigentlich auch wiederum aufgrund dessen wieder Rundumschläge. Es gibt nicht die Partei, wo man sagt, das oder das ist sie. Denn die Parteien die klauen sich teilweise bestimmte Elemente aus ihren Programmen. Wenn man mal den Parteinamen zudecken würde, dann merkt man manchmal nicht, ob das von der Opposition oder von der Koalition kommt.

Medienhure: Also sozusagen einen Rundumschlag von allen Parteien?

WOLFGANG STUMPH: Das ist eine Blickrichtung zu denen die die Macht haben und zu denen die eigentlich machtlos sind. Zu denen die die mit der Macht Spaß machen. Mit denen die Spaß machen mit der Macht. Und denen den Macht Spaß macht.

Medienhure: Wird Oskar vielleicht eine eigene Partei gründen?

WOLFGANG STUMPH: Nein. Das glaube ich nicht. Er weiß gar nicht, ob er Mitglied bei Ver.di ist.

Medienhure: Sie machen eine Tournee?

WOLFGANG STUMPH: Na ja, mein richtiges Tachometer an der Volksseele ist Erstens, das ich mit den Füßen auf dem Boden bin und das nächste ist, glaube ich, diese Livevorstellungen, die von Zerbst über Mahrzahn bis nach Gevelsberg und Duisburg reichen, der Kontakt auf diesen Liveveranstaltungen und das anschließende in der Kneipe sitzen oder im Foyer mit dem Publikum quatschen. – Mal während des Programm auf ….des Zuschauers zu hören. Wo lacht er aus, worüber lacht er, worüber amüsiert er sich. Wo merkt man eine bestimmte Distanz. Wo trifft sich Auffassung von Bühne und Zuschauerraum. Dass das zu spüren und zu reflektieren eigentlich die wichtigste Basis ist, zu wissen, könnte so eine Figur wie Oskar funktionieren, oder könnte die Leute, so wie es mich interessiert, so eine Geschichte “Wie Job des Lebens”, der Arbeitslose der als Ministerpräsident verwechselt wird und dann den Posten des Ministerpräsidenten ausführt, würde dass die Leute interessieren können. Also für mich wäre es unvorstellbar nur vor so einer Kamera zu hängen und immer nur das Rotlicht zu sehen und dann den Redakteur zu fragen “War es gut”. In der Zeitung zu lesen, ob irgendein subjektiver Rezensent mit der Arbeit zu frieden war. – Ich brauch die Leute.

Medienhure: Hier leistet Oskar alias Wolfgang Stumph Basisarbeit?

WOLFGANG STUMPH: Ja. So könnte man es im wahrsten Sinne des Wortes nennen.

Medienhure: Danke.

Das Gespräch führte Anatol Wiecki.

Wolfgang Stumph als “Kommissar Stubbe” im ZDF: 1.2.2003, 20.15 Uhr

Die Offizielle Website von Wolfgang Stumph

“Stubbe – Von Fall zu Fall” (ZDF)

“Salto Kommunale”/”Salto Postale” (ZDF)

“Antrak auf Stumphsinn” (Kabarett/Infos & Daten zur Tournee)

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