Volksmusik “Ade”. ZDF diskriminiert Millionenpublikum?

Nach einen historischen Tiefstand bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer, mit 5,7 Prozent, im Monat Mai 2007, plant das ZDF eine Verjüngungskur. So will sich der öffentlich-rechtliche Sender ab 2008 unbestätigten Berichten zufolge angeblich von dem Showmaster Dieter Thomas Heck und dem Volksmusik-Duo Marianne Reiner und Michael Adolf Hartl, besser unter dem Namen „Marianne und Michael“ bekannt, trennen. In mehr als 200 ZDF-Sendungen wie “Lustige Musikanten” oder den “Grand Prix der Volksmusik” präsentierte das Paar volkstümliche Musik. Auch Dieter-Thomas Heck moderierte schon mehrere hundert Sendungen für den Mainzer Sender.

Heck, der eigentlich als Carl-Dieter Heckscher als nichtehelicher Sohn des Fürsten Carl Gustav zu Ysenburg und Büdingen am 29. Dezember 1937 auf die Welt kam, führte zwischen Januar 1969 und Dezember 1984 mehr als 183 mal durch die von ihm entwickelte ‚ZDF-Hitparade’. In den ersten Jahren etablierte sich die Sendung als beliebte Anlaufstelle für Schlagersänger wie Roy Black, Howard Carpendale, Drafi Deutscher, Heino oder Rex Gildo, die Dauergäste der Sendung waren. Doch auch die aufkommende ‚Neue Deutsche Welle’ machte Ende der siebziger Jahre die Show für ein größeres Publikum interessant.

Im Alter von sechs Jahren war der kleine Carl-Dieter 1943 in einer Kriegsnacht in Folge eines Bombenangriffs über drei Tage unter einer Hamburger Kellertreppe verschüttet. Dieses traumatische Erlebnis löste bei dem Jungen ein Stottern aus. Nach der Schulzeit war er zunächst als Automobilverkäufer tätig, bevor er seine Leidenschaft für die Musik entdeckte. Um das Trauma jener tragischen Kriegsnacht und das Stottern zu überwinden, nahm er Gesangsunterricht. Mit Erfolg, er mauserte sich später nicht nur zu Deutschlands ‚Schnellsprecher Nummer eins’, sondern nahm 1961 immerhin an der deutschen Vorentscheidung des Grand Prix Eurovision de la Chanson als Sänger teil. Auch nach dem der unter dem Künstlernamen populär gewordene Dieter-Thomas Heck die Moderation der ‘ZDF-Hitparade’ an Viktor Worms abgab, blieb er dem ZDF-Publikum mit Shows wie ‘Melodien für Millionen’ bis heute treu. Das ZDF plant mit dem Urgestein der Schlagermusik in 2007 noch zwei Folgen des ‘ZDF Sommerhitfestival’ und einige Benefizgalas.

“Wir modernisieren die Musikfarbe der populären Musiksendungen seit Jahren behutsam“, verlautete aus ZDF-Kreisen. Trotz des schlechtesten Ergebnis aller Zeiten bei der werberelevanten Zielgruppe, wird das Genre der Volksmusik den ZDF-Zuschauern mit Carmen Nebel weiterhin erhalten bleiben. Der Vertrag der Moderatorin soll mindestens bis 2010 verlängert werden. Die 50-Jährige begann ihre Fernsehkarriere im ‚Fernsehen der DDR’, seit 2004 ist sie an fünf Samstagen im Jahr mit ihrer Show ‚Willkommen bei Carmen Nebel’ im ZDF präsent.

Soziologische Studien über die Zielgruppe volkstümlicher Musik haben ergeben, dass ihre Anhänger überholte Werte wie klassische Rollenverteilung von Mann und Frau, aber auch traditionelle Wertvorstellungen, deren Allgemeingültigkeit gegenwärtig in Frage gestellt werden, vertreten. Mit Volksmusiksendungen würde diese Zielgruppe dieses aus ihrer Sicht verstandene Manko kompensieren. Die meisten Volksmusikfans, die mit dieser Art von Musik auch Heimatverbundenheit verknüpfen, finden sich in der Seniorengeneration. Bereits heute leben mehr über 65-Jährige als Kinder in Deutschland. Darf ein gebührenfinanzierter Sender Millionen Menschen ignorieren?

6 Kommentare zu „Volksmusik “Ade”. ZDF diskriminiert Millionenpublikum?“

  • Ein Volksmusikant sagt:

    Hier ist nicht von Volksmusik die Rede sondern von volkstümlicher Musik. Leider wird das oft nicht unterschieden. Volkstümliche Musik tut so, als ob sie Volksmusik wäre, in Wirklichkeit dient sie aber einzig und allein dem Kommerz. Und leidet daher auch zu Recht unter Imageproblemen bei normaldenkenden Menschen. Wir als unkommerzialisierte Musikanten haben aber darunter zu leiden wenn Volksmusik einfach undifferenziert in den gleichen Topf geworfen wird. Ich bitte daher hier eine sprachliche Unterscheidung zwischen Spreu und Weizen zu treffen.
    Den Unterschied zwischen volks und volkstümlich kann man auch als Laie ganz einfach erkennen- volkstümlich ist die Musik bei der es einem die Nackenhaare aufstellt oder -wie man auf bayerisch sagt- die Zehennägel aufdreht.

  • Fred Becker sagt:

    Als Auslandsdeutscher( Non EU) bekomme ich machesmal ein Band mit Volkstuemlicher oder sogenannter Volksmusik zu sehen. Es ist nicht zu verheimlichen das manche sogenannten Volksmusikanten texte besingen die einfach nicht zu ertragen sind, die Hauptsache der Fanclub ist da und eine neue CD kann gemacht werden. ( Mein Alter 60 +) Leider ist es diese Art von Musik die uns im Ausland nachlaeuft. Es gibt erzeugt bei machen den Eindruck jeder in Deutschland hoert diese Musik und laueft in Lederhosen umher. Es wird langsam Zeit das sich Deutschland auch in Sachen Musik ein wenig anders praesentiert

  • daenekas sagt:

    Wo bitte diskriminiert das ZDF denn ein Millionenpublikum?
    Volkstümliche Musik und Schlager werden doch auch noch auf anderen Sendern angeboten!
    Hier stellt man die Situation doch so dar, als sei auf einmal, quasi über Nacht, volkstümliche Musik und der deutsche Schlager komplett aus dem Medium Fernsehen verschwunden!
    Da sollte man aber doch noch einmal vorher recherchieren!!
    Wo ist denn die Musik der Zuschauer, die, z.B. nach 1945 geboren wurden!!
    Wo sind denn die Sendungen für diese Zielgruppe??
    Und was ist mit den heute 30-40 jährigen?
    Wo sind denn deren Sendungen?
    Sollten die sich nicht eher diskriminiert fühlen?

  • Heiko Jansen sagt:

    Das ZDF ignoriert die vielen Millionen- Fans der wahren Volksmusik. Sie meinen, dass die Volksmusik nur die ältere Generation hören. Völlig Falsch!!! Sie wollen es blos nicht wahr haben, dass viele niedrigere Altersklassen ab 20 und 30 jährige auch Fanclubs von Ursprung- Buam haben, aber auch Egerländer Musikanten u. v. Fanclubs mehr solcher Richtungen. Das sollte das ZDF sich wieder zu eigen machen, dass man diese Fans auch wieder gewinnt und deren Musikklänge präsentiert, wie “Lustige Musikanten” mit Marianne und Michael oder das “Wettstreit nach Noten” der Lustigen Musikanten (Der Musikantenwettstreit aus den 70er Jahren) wieder eingeführt werden (Neuvorstellungen und daraus die besten 3 wählen).
    Es ist eine Frechheit von Zweiten Deutschen Fernsehen, diese viele Millionen Fans auszugrenzen und denen einfach nur die Gebühren zahlen zu lassen. Gebühren sollen
    wir zahlen. Aber das das ZDF hier uns vielen wahren Volksmusikfans die Sendungen nicht zeigt, die wir sehen wollen, wo unsere dazugehörigen wahren Lieblinge, wie Ernst Hutter und die orig. Egerländer Musikanten (Orig. Ernst Mosch- Kapelle), Gitti & Erica, die Ursprung- Buam, Die Heidelerchen, Chanty- Chöre, bayerische und böhmische Blasmusikanten, Maria und Margot Hellwig, Takeo Ischi, Öschs die Dritten, sowie wahre VolksMusikanten aus Deutschland, Slowenien, Österreich und der Schweiz, der Don Kosaken- Chor u. a. aus Russland rein gehören, das eine Frechheit “Hoch 3″. Ich bin auch erst 46 Jahre und gehöre noch lange nicht zum alten Eisen und liebe die wahre Volksmusik, wie viele Millionen Fans auch Euro-paweit, wie man Sie uns in den 70er Jahren präsentierte. Diese Sendungen und Interpreten fordere ich als Gebührenzahler und für viele andere Millionen Fans Europaweit wieder ein. Gewaltfilme und sonstige Gewaltverherrlichenden Filme gehören von der Bildfläche, da sie nur Schande bringen in unsere Gesellschaft, wie nun Winnenden oder Erfurt u. a.! Kultur in Sachen Volksmusik, die mit der Natur
    sich verbindet und hier auf Texte auch hören kann, was damit gemeint ist, das auch
    unsere Umwelt wieder in Ordnung kommt, muss unbedingt wieder in unsere Mitte rein. Denn nur von der Natur lernt unsere Gesellschaft wieder die Kultur (Auch in Verbundenheit der natürlichen Volksmusik) näher zu kennen, Sie zu schützen, statt zu beschmutzen. Es sind zum Teil wahre Texte, die die wahren Volksmusikanten bringen, die die Verbundenheit der Natur näher bringen. Wir müssen nur zuhören, was wieder zu lernen ist. Aber auch abschalten sollte man können, wenn man von der heilen Welt singen kann, Denn Sorgen und Probleme gibt es zu Genüge in der heutigen schnellebigen Zeit. Reichlich!
    Es wird Zeit, erholsame und Stimmungsvolle heitere Melodien im Fernsehen und Radios erklingen zu lassen und anzustimmen, wo man auch mit einstimmen kann und der heutigen Generation die eigene Kultur wieder näher bringen kann.
    Das fordere ich insbesondere an das ZDF und dessen Intendant. Eine gute Freundin
    ist auch anfang 30 und ist ein Fan der Ursprung- Buam. Es also eine Lüge zu erwähnen, Volksmusik hören nur ältere Generationen. Das ZDF ignoriert nur die vielen anderen Fans jüngerer Altersklassen! Forderung an das ZDF: Umgehend Volksmusik(!)- Sendungen wieder zu senden. Das ist Balsam für uns viele Millionen Volksmusikfans in Sachen Gebührenzahlungen und für die Seele! Auch die ZDF- Hitparade muss wieder her und von Uwe Hübner fortgesetzt werden. Sie ist immer noch Kult und wird vieeel nachgefragt. Liebe Grüße an Dieter Thomas Heck, der diese tolle musikalische Schlager- Sendereihe kreiirt 1969 hat- und an Uwe Hübner!

    Heiko Jansen, 31655 Stadthagen.

  • Heiko Jansen sagt:

    Ach ja: Noch einTipp für neue Volksmusik- Sendungen im ZDF und andere Sender: Dies Verbindlich können auch viele Stiftungen und Spenden für unsere Umwelt und deren Natur und Tiere, Regenwälder u. a. in Volksmusiksendungen mit eingebracht werden.

    Heiko Jansen, Stadthagen

  • Wolfgang Gresslin sagt:

    Die ZDF-Sendung am 9.5.09 von Carmen Nebel

    Es ist schon erstaunlich, wie immer mehr englisch sprachige Sänger in dieser Sendung zu sehen sind. Man könnte meinen, Thomas Gottschalk muss überholt werden. Wie wenn wir nicht eine Menge guter deutschsprachiger Interpreten hätten.
    Ausserdem finden diese Sendungen fast nur in den neuen Bundesländer statt. Man könnte meinen, der Westen sei den Veranstaltern zu popelig. Aber schlieslich hat der Westen mit imensem finanziellen Aufwand den Bau dieser Messehallen erst ermöglicht. Und das ist nun der Dank dafür. Die einzigen guten Sänger waren Lena Valaitis und Udo Jürgens. Die anderen waren nur Füllmaterial. Liza Minelli wurde für viel Geld geholt. Das hätte man auch billiger haben können, wo der Sender immer in Geldnöten ist.


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