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    taz: "respektables Medienmagazin"

TV-Luftkrieg über Phoenix: Autodieb droht Mordanklage?

Erstellt von AW am Samstag 28. Juli 2007

Helikopter der beiden lokalen Fernsehsender KNXV und KTVK in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona), die eine Verfolgungsfahrt der örtlichen Polizei live für die Nachrichtensendung filmten, sind in der Nacht von Freitag auf Samstag (Ortszeit Phoenix: Freitag, 13.15 Uhr) in der Luft kollidiert. Bei der Explosion der beiden Hubschrauber kamen die Reporter Craig Smith und Scott Bowerbank sowie die Kameraleute Jim Cox und Rick Krolak ums Leben. Die in einem Park vor einer Kirche zwischen der Indian School Road und der Central Avenue zerschellten Wracks wurden sodann von einem Helikopter, der für die amerikanische Sendergruppe FOX im Einsatz war, live im Fernsehen übertragen.

Die Fernsehteams hatten eine Verfolgungsfahrt des Phoenix Police Departments aus der Luft live zu ihren Redaktionen übertragen. Mehrere Streifenwagen des Phoenix Police Department hatten zunächst einen Lieferwagen verfolgt, dessen Fahrer mehrere Rotampeln mißachtete. Als der Wagen vermutlich aus technischen Gründen zum liegen kam, sprang der Verdächtige aus dem Fahrzeug und raubte ein anderes Auto. Die volle Konzentration der beiden Piloten der abgestürzten Maschinen, die zugleich auch die Reporter gewesen sind, waren auf diese sich am Boden abspielenden Szenen gerichtet, so dass sie den unvermeintlichen Crash, wie die Auswertung der letzten Funksprüche ergeben hat, zu spät vorhersahen.

Rick Krolak arbeitete seit 9 Jahren für den zur ABC-Gruppe gehörenden Fernsehsender KNXV. Craigh Smith war erst seit September 2005 für den Regionalsender tätig. Der zweite an dem tödlichem Crash beteiligte Helikopter gehörte den unabhängigen Fernsehsender KTVK, der von dem Reporter Scot Bowerbank gesteuert wurde. Mit ihm starb sein Kameramann Jim Cox. Zuletzt sind 1984 in Japan und 1994 in den USA bei Crashs mit Helikoptern von Fernsehsendern untereinander insgesamt sechs Menschen getötet worden.

Um die mehr als 3,7 Millionen Einwohner im Großraum Phoenix buhlen etliche lokale und überregionale Fernsehsender. Allein in der Stadt Phoenix leben mit 1.725.000 Menschen mehr als 1,55% der gesamten US-Bevölkerung. Damit steht die Hauptstadt von Arizona an 13. Stelle der größten werberelevanten Metropolen in den USA.

Indes konnte der flüchtige Verdächtige als der mehrfach Vorbestrafte Christopher J. Jones identifiziert werden. Jones, der auf Bewährung war, verbarrakadierte sich in seinem Haus. Ein SWAT (Special Weapons and Tactics)-Einsatzkommando des Phoenix Police Department konnte Christopher J. Jones festnehmen, zuvor war er jedoch von einem Polizeihund gebissen worden. Polizeichef Jack Harris möchte den Autodieb nun auch für den Tod der vier TV-Mitarbeiter verantwortlich machen und erwägt eine Anklage wegen Kapitalverbrechens in vier Fällen.

In den USA ist es durchaus nicht unüblich das in Ermangelung eigener Hubschrauber Polizeidienststellen Fernsehsender mit eigenen Helikoptern um Unterstützung bitten. Insofern ist eine Anklage wegen des Todes der Journalisten rechtlich nicht aus der Luft geholt. Auch in Deutschland können flüchtige Straftäter für Schäden und Verletzungen unter gewissen Umständen zivil- und strafrechtlich belangt werden, sofern dies im direkten Zusammenhang mit ihrer Flucht steht.