Promi-Arzt ein Erpresser?
Erstellt von AW am Freitag 25. Mai 2007
Die Staatsanwaltschaft Essen hat wegen des Verdachts der Erpressung und Vorteilsnahme ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den weltbekannten Mediziner Professor Christoph Erich Broelsch vom Universitätsklinikum Essen eingeleitet. Broelsch ist Direktor der dortigen Transplantationsklinik. Der Starchirurg, dem auch “eine goldene Hand” nachgesagt wird, ist auch als Promiarzt bekannt. Unter anderem war er jahrelang der Leibarzt des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.
Durch den Fall einer 67-jährigen Leberkrebspatientin aus Bocholt, die mehrmals nach einem Transplantionstermin gefragt haben soll, kamen die Ermittlungen letzte Woche ins Rollen. Viermal sei ihr trotz großer Beschwerden ein Transplationstermin durch die Uniklinik Essen verwehrt worden. Angeblich wäre die 67-Jährige Patientin sofort operiert worden, wenn sie 5000 Euro an die Uniklinik Essen “gespendet” hätte. Die Patientin hatte dies abgelehnt und wurde inzwischen in Münster erfolgreich operiert.
Der Staatsanwaltschaft Essen liegen Dokumente vor, wonach das von dem international renommierten Leberkrebsspezialisten Broelsch geleitete Transplantationszentrum der Uniklinik Essen eine Krebspatientin wegen angeblichen Bettenmangels dreimal abgewiesen haben soll. Erst als sie eine “Spende” an die Uniklinik geleistet habe, sei sie operiert worden.
Indes wies Professor Broelsch den Vorwurf der Erpressung und Vorteilsnahme weit von sich. Vielmehr habe er auf sein Honorar verzichtet. Denn Kassenpatienten stünde eine Chefarztbehandlung nicht zu. Er habe lediglich Kassenpatienten angeboten sie statt gegen ein zusätzliches Honorar für die Chefarztbehandlung gegen eine Spende für Forschungen der Uniklinik Essen auf dem Gebiet der Lebertransplantation persönlich zu operieren. Allerdings sind der Strafverfolgungsbehörde auch Fälle bekannt, wo sogar “Spenden” in Höhe von 10000 Euro auf das Klinikkonto eingegangen sein sollen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen Verstoßes gegen das Transplantationsgesetz, weil der Professor gemeinsam mit einem Oberarzt, an der gesetzlichen Warteliste vorbei, versuchte einer 46-jährigen Griechin für 60000 Euro eine Leber gegen Geld zu transplantieren. Allerdings starb die Patientin bevor die Leber hätte transplantiert werden können.