Nur Eine einzige Tablette – ARD zeigt Contergan-Skandal

Das Pharmaunternehmen Grünenthal in Stolberg bei Aachen hat im Zusammenhang mit der seit langem anhaltenden rechtlichen Auseinandersetzungen um den zweiteiligen Fernsehfilm “Nur eine einzige Tablette” Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegt. Die Firma, die Ende der 1950er Jahre den Contergan-Skandal auslöste, sieht ihre Rechte durch die Darstellungsweise der historischen Vorgänge um das Arzneimittel Contergan verletzt. Das Stolberger Unternehmen und Rechtsanwalt Karl-Hermann Schulte, der früher viele Contergan-Opfer vertrat, sehen ihre Rechte durch verschiedene Filmszenen verletzt. Deshalb hatten sie vor dem Landgericht Hamburg gegen den WDR und die Produktionsfirma eine einstweilige Verfügung mit insgesamt 32 Verbotsziffern erwirkt, die jedoch in der Berufungsverhandlung vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht im April 2007 nicht stand hielt. Indes bleiben zwei Szenen, in der sich Rechtsanwalt Schulte-Hillen wiedererkennen zu glaubt, weiterhin verboten.

Das Medikament wurde von Oktober 1957 bis zum 27. November 1961 von dem Pharmaproduzenten Grünenthal vertrieben. Da zunächst keine Nebenwirkungen bekannt waren und man wusste, dass es gegen die morgendliche Schwangerschaftsübelkeit in der frühen Schwangerschaftsphase hilft, wurde es gezielt als das Beruhigungs- und Schlafmittel für Schwangere empfohlen. Jedoch genügte während der ersten drei Schwangerschaftsmonate „nur eine einzige Tablette“ des Arzneimittels mit dem schädlichen Wirkstoff Thalidomid, um schwere Missbildungen des Embryos zu verursachen. Allein in Deutschland kamen so mindestens 5000 Kinder schwerstbehindert auf die Welt. Nachdem Grünenthal mit den Eltern der Opfer am 10. April 1970 einen Vergleich schloss und insgesamt 100 Millionen Deutsche Mark Schadensersatz zahlte, wurde das seit Januar 1968 laufende Strafverfahren gegen Verantwortliche des Pharmaunternehmens noch im gleichen Jahr von der Großen Strafkammer des Landgerichts Aachen eingestellt.

Der Westdeutsche Rundfunkt plant die Ausstrahlung des Zweiteilers “Nur eine einzige Tablette” am 7. und 8. November 2007 in der ARD. Das der geplante Sendetermin aufgrund der gerichtlichen Auseinandersetzung ausfällt, ist mehr als fraglich. Denn 98% aller beim Bundesverfassungsgericht eingehenden Verfassungsbeschwerden, werden noch nicht einmal zur Entscheidung angenommen. Das Bundesverfassungsgericht wird mit Sicherheit nicht die künstlerische Aufarbeitung des größten Arzneimittel-Skandals in der deutschen Nachkriegsgeschichte verbieten. Selbst wenn der Arzneimittelhersteller in dem seit Jahresanfang anhängigen Hauptsacheverfahren vor dem Landgericht Hamburg am 20. Juli 2007 erstinstanzlich recht bekommen sollte, wird er den Film über den Contergan-Skandal nicht verhindern können, da mit begründeter Berufung zu rechnen wäre.

Nach Auffassung des Bundesverbandes Contergangeschädigter e. V.  “hätte die Ausstrahlung eines solchen Films zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit beitragen und wichtige Diskussionen über die historischen Ereignisse sowie die aktuellen Lebensumstände der Conterganopfer anstoßen können. Die Bevölkerung geht davon aus, dass contergangeschädigte Menschen finanziell abgesichert und sozial integriert sind. Die mittlerweile aufgetretenen Folgeschäden werden nicht wahr genommen”.

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