Natascha Kampusch will nicht Richard Oetker werden

„Ich bemühe mich sehr um diese Geschichte. Mich interessiert vor allem die Frage, wie man unter solchen Umständen erwachsen wird“, so Nico Hofmann von der zur UFA-Gruppe gehörenden teamWorx Television & Film GmbH in Potsdam zu seinem Vorhaben den Entführungsfall Natascha Kampusch zu verfilmen. Vor knapp einem Monat habe es bereits ein erstes Treffen mit der heute 19-Jährigen gegeben. Hofmann, der bereits etliche Erfolge mit Fernsehfilmen vor dem Hintergrund realer Ereignisse – wie ‘Der Tunnel’, ‘Die Flucht’, ‘Dresden’ oder ‘Tanz mit dem Teufel’, in dem es um die Entführung des Richard Oetker geht - produziert hat, wollte sich heute nochmals mit Natasch Kampusch treffen. Indes ließ Natascha Kampusch mitteilen, sie sei an keiner Verfilmung interessiert: „Es gibt daher keine Verhandlungen über die Filmrechte daran. Und es ist auch kein Treffen zwischen Herrn Nico Hofmann und ihr geplant – weder heute noch in absehbarer Zukunft.“, so ihr PR-Berater Stefan Bachleitner.

Der wohl spektakulärste Entführungsfall Europas seit Jahrzehnten begann in den Morgenstunden des 2. März 1998. Die zehnjährige Natascha wurde auf dem Weg zur Grundschule von dem Ingenieur Wolfgang Priklopil in Wien entführt und von diesem 3096 Tage in dessen Privathaus im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten. Nach fast achteinhalb Jahren Gefangenschaft gelang ihr am 23. August 2006 die Flucht. Noch am selben Tag warf sich ihr Entführer auf der Flucht vor der Polizei vor eine S-Bahn. Und Natascha Kampusch war endlich frei.

Doch das plötzliche Auftauchen des jahrelang vermissten und schon für tot geglaubten Kindes führte zu einem weltweiten Medienecho. Der Wiener Medienberater und PR-Experte Dietmar Ecker nahm sich ihrer an und koordinierte alle Presseanfragen, so gab es über 300 Anfragen von internationalen Medien für ein Exklusivinterview. Als der Österreichische Rundfunk (ORF) am 6. September 2006 sein Hauptabendprogramm kurzfristig änderte und das erste Interwiew weltweit von Natascha Kampusch ausstrahlte, sah dies fast jeder dritte Österreicher. Sogar RTL schalteten an dem gleichen Abend 7,13 Millionen Menschen ein, um das vom ORF eingekaufte Kampusch-Interview sehen zu können. Seit dem 27. Oktober 2006 wird sie von Stefan Bachleitner von der PR-Agentur The Skills Group medial betreut.

Auch Richard Oetker, der 1976 als 25-jähriger Student entführt wurde und nach Zahlung von 21 Millionen Deutsche Mark freikam,  hatte sich lange Zeit gegen die Verfilmung seiner Entführung verwahrt. Um jedoch einem vom Entführer geplanten Film zuvor zu kommen, stimmte er dennoch dem Fernsehfilm ‘Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker’ zu. Das Verbrechen wurde bis ins Detail verfilmt, weswegen spekuliert wird, dass der Enführer Dieter Zlof von der Produktionsfirma eine unbekannte Summe für die Information erhielt.

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