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    taz: "respektables Medienmagazin"

Madeleine McCann: Hoffentlich ist sie wirklich entführt

Erstellt von AW am Donnerstag 7. Juni 2007

200 bis 300 Kinder verschwinden - täglich. Allein in Deutschland. Die meisten Minderjährigen finden sich jedoch schon nach kurzer Zeit wieder. Insgesamt sind mehr als 1600 Kinder in der Bundesrepublik Deutschland dauerhaft spurlos verschwunden, entweder weil sie verunglückt oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder einfach von zu Hause ausgerissen sind. Nicht selten geschieht es das ein Kind von einem einzelnen Elternteil verschleppt wird.

Seit dem 3. Mai 2007 gewinnt man jedoch bei der Medienbeobachtung den Eindruck, es gibt nur ein entführtes Kind auf diesem Planeten. Die mittlerweile vierjährige Madeleine des britischen Medizinerpaars Kate und Gerry McCann. Die kleine Maddie verschwand vor rund fünf Wochen aus einem Hotelzimmer im portugiesischen Ferienort Praia da Luz, während des Urlaubs der McCanns in Portugal. Zahlreiche Prominente wie  David Beckham lassen sich seit dem einspannen, selbst der milliardenschwere Fast-Food-Konzern McDonald’s hilft bei der Suche mit, indem es das Mädchen werbewirksam auf Postern drucken lässt. Wer dachte, die Audienz beim Papst am 30. Mai wäre nun der Höhepunkt, wusste es gestern besser: Denn gestern luden die McCanns zu einer Pressekonferenz - nicht irgendwo, sondern im Saal 5. und 6. des Bundespresseamts der Bundesregierung in Berlin.

Dies alles kommt nicht von ungefähr. Koordiniert wird diese gigantische PR-Maschinerie von Clarence Mitchell, einem ehemaligen BBC-Reporter. Eigentlich hat Mitchell die Seiten gewechselt. Denn seit langem ist er Direktor einer Abteilung des Central Office of Information (COI), - übersetzt ins deutsche - der Propagandastab der britischen Regierung. Das COI ist stolz auf seine exzellente Marketingkompetenz – wie man der Startseite des COI im Internet entnehmen kann. Die Regierung ihrer Majestät hat Mitchell für die Eltern von Madeleine als Berater quasi abkommandiert.

Auf der Pressekonferenz in Saal 5. und 6. des Bundespresseamts der Bundesregierung fragte eine Reporterin des Hessischen Rundfunks, wie die Eltern denn mit den Vorwurf umgehen, sie hätten möglicherweise etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun. Diese Frage führte heute in der britischen Tagespresse zu einem Sturm der Entrüstung: „Beleidigung für Madeleines Mutter“ titelte die größte englische Boulevardzeitung ‚The Sun’. Für „verachtenswürdig“ hält der ‘Daily Mirror’ die „grausame Frage“.

Indes äußerte sich der bekannte Kriminalpsychologe Christian Lüdke zu dem Fall. Lüdke, der schon viele Angehörige bei Kinderentführungen betreut hat, hält es zwar für normal, wenn Eltern an die Öffentlichkeit gehen, „aber das, was hier überraschend ist, ist die Energie, die dieses Ehepaar aufbringt und in einer regelrechten PR-Kampagne quasi auf Tournee geht - das ist schon sehr auffällig und untypisch für Opfer“, so der Experte in einem gestrigen Interview mit ‚INFOradio’. Laut dem Kriminalpsychologen stammen die Täter „in 75 Prozent solcher Fälle, bei denen es sich um Gewalttaten gegen Kinder handelt … aus dem Bereich der Verwandtschaft oder Bekanntschaft“.

Dank der durch die britische Regierung mitangekurbelten gigantischen PR-Maschinerie sind inzwischen Millionenbeträge für Belohnungen gespendet worden. Und es gibt tausende von Hinweisen, wonach professionelle Menschenhändlerringe hinter der Entführung des kleinen Mädchens stehen sollen. Alle Hinweise in Richtung Menschenhändlerringe haben sich bisher jedoch als substanzlos erwiesen. Menschenhändler sind Händler, die Geld verdienen wollen. Wären da die Millionen, die ausgelobt sind, kein Anreiz Madeleine freizulassen?

Und was wäre, wenn tatsächlich etwas an den Vorwürfen gegen die Eltern dran wäre?

Der Papst und etliche international bekannte Politiker – wie der spanische Innenminister oder Berlins regierender Bürgermeister Wowereit – wären dann mit Hilfe eines ranghohen PR-Managers der britischen Regierung weltweit vorgeführt worden. Oder anders gesagt: Das Vereinigte Königreich auf der Insel wäre bis auf die Knochen blamiert. Es ist daher leicht nachzuvollziehen, warum die englische Presse den angesprochenen Verdacht der deutschen Reporterin mit Brachialgewalt im Keim ersticken möchte.

Übrigens: In Großbritanien sind noch weitere 1200 andere Kinder spurlos verschwunden, um die sich kein von der britischen Regierung beauftragter PR-Berater kümmert.

©2007 by Anatol Wiecki, Medienhure - Das Medienmagazin: www.Medienhure.de

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2 Kommentare zu “Madeleine McCann: Hoffentlich ist sie wirklich entführt”

  1. Charita sagt:

    Welche Rolle spielt die Katholische Kirche hier, bzw. irgendwelche katholischen Seilschaften? Ist Clarence Mitchell Katholik, so wie die McCanns und z.B. Tony Blairs Frau Cherie? Die - in den Medien - penetrant demonstrierte Gläubigkeit war das Erste, was mir in diesem Fall (gleich am Anfang) aufgestoßen ist.

  2. nermin yildiz sagt:

    hoffentlich findet ihr madeleine
    sucht immer weiter
    verliert nicht die HOFFNUNGG