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    taz: "respektables Medienmagazin"

Maddiegate?

Erstellt von AW am Dienstag 11. September 2007

Gewiss, im Fall der verschwundenen Maddie McCann machen momentan nicht viele Fakten, sondern Gerüchte die Runde. Eine Meldung wird von der nächsten überholt oder sogar von einer Meldung über eine Meldung bezüglich der Meldung einer anderen Meldung. So vermeldete um 12.04 Uhr schließlich die Deutsche Presse Agentur (dpa), die angesehene portugiesische Zeitung «Público» berichte, die dortigen Ermittlungsbehörden würden den Eltern, Gerry und Kate McCann, zur Last legen, „lediglich […] die Leiche ihrer vierjährigen Tochter verborgen zu haben“. Fast alle wichtigen Sender und Onlinemedien übernahmen diese Meldung oder berichten nun über eine dpa-Meldung, die über einen Bericht in einer portugiesischen Zeitung berichtet, die über mögliche neue Spuren spekuliert.

Stopp! Wie lautete die Meldung?

„Wie die Zeitung «Público» berichtete, werfen die Ermittler den Eltern Kate und Gerry McCann lediglich vor, die Leiche ihrer vierjährigen Tochter verborgen zu haben.“ (dpa, 11.09.2007, 12.04 Uhr)

Im Mai 2007 stellte die Blair-Regierung zunächst die Regierungssprecherin Sheree Dodd für die Pressebetreuung der Eltern der vermissten Maddie ab. Die Pressefrau im Regierungsauftrag reiste nach Portugal, um vor Ort die Ziele abzustecken. Schließlich wurde sie schon nach zwei Wochen durch Clarence Mitchell, einen ehemaligen Reporter der BBC, abgelöst.

Die Eltern wollten eigentlich in Praia da Luz bleiben, solange bis ihre nach ihren eigenen Angaben entführte Tochter Madeleine, die alle Welt mittlerweile Maddie nennt, wieder auftaucht. Doch Clarence Mitchell, zu dessen Aufgabe es auch weiter unter Premierminister Gordon Brown als Direktor der Regierungsbehörde MMU gehört, Nachrichten im Sinne der britischen Staatsmacht zu verpacken, überredete die Eltern zu der aufmerksamkeitserzielenden Welttournee. Fortan wurde die zum Tatzeitpunkt dreijährige Maddie als ein Werkzeug von der britischen Regierung benutzt.

Letztendlich wurden auch die medial unerfahrenen Eltern mißbraucht. Gut, sie sind Ärzte. Aber Mediziner sind Mediziner und keine Medienexperten, die langfristige Folgen hätten besser abschätzen können. Aber der noch von der früheren Tony Blair-Regierung beauftragte Clarence Mitchell dürfte als ehemaliger BBC-Reporter nur allzugut gewusst haben, was auf die Eltern der kleinen Maddie - was auch immer mit ihr geschehen sein mag – in Folge der öffentlichkeitswirksamen Medienkampagne, zu der er die Eltern überredete, noch zukommen könnte.

Viele selbsternannte Hobbypsychologen stellen die Eltern nun gerne als mediengeile Monster dar. Aber darf man ihnen soetwas unterstellen, bevor man sich versucht empathisch in Gerry und Kate McCann hineinzuversetzen?

Irgendwann im Mai 2007 wird es bei den McCanns geklingelt haben und da stand dann plötzlich jemand von der eigenen Regierung, der ihnen Hoffnung machte, ihnen erzählte, sie könnten ihre verschwundene Tochter mit Hilfe einer Reise durch die Welt wiederfinden. Denn irgendwo, musste Madeleine doch sein. Irgendwo auf dieser Welt?!

Wenn es die Entführung wirklich gab, dann macht das alles Sinn. Dann wären sie wirklich verzweifelt gewesen. Und sind verzweifelte Menschen in scheinbar aussichtslosen Situationen am Ende des Lichts, nicht bereit womöglich alles zu tun? Alles zu tun, um ihre kleine geliebte Maddie wiederzubekommen? Sie in ihren Armen zu halten?

An dieser Vorgeschichte ändern auch nichts die kursierenden Spekulationen über die sichergestellten DNS-Spuren im Kofferraum eines Renault Scenic, die angeblich von der kleinen Maddie stammen sollen, obgleich die Eltern des Mädchens den fraglichen Wagen erst 25 Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter angemietet hatten. Denn abgesehen davon, dass auch schon wieder die nächste Meldung über ein Dementi durchs Internet grassiert, wonach die portugiesische Polizei bestreiten würde, das das Labor in Birmingham eine hundertprozentige Übereinstimmung mit der DNS von Madeleine festgestellt habe, wären gefundene DNS-Spuren in dem Mietwagen, auch wenn dieser erst 25 Tage nach der Tat angemietet worden war, kein Beweis für irgendeine Schuld der Eltern.

Zum einen könnten die DNS-Spuren, soweit es welche gibt, von Textilien oder sogar von der Plüschkatze, die Kate McCann immer bis letzte Woche in Händen hielt, stammen. Zum anderen, dem dürfte noch eine viel wichtigere Bedeutung zukommen, gibt es aber auch noch die Zwillinge Sean und Amelie, die das gleiche Erbgut in sich tragen und damit auch die gleichen DNS-Spuren in 15 bis zu 20 relevanten Merkmalen hinterlassen, wie der Gerichtsmediziner Professor David Barclay anmerkte.

Schuldig oder Unschuldig?

Die von der britischen Regierung eingefädelte PR-Kampagne hat aus einem vermissten Kind einen Kultstar gemacht. Was würde eigentlich passieren, wenn sie tatsächlich a’ la Natascha Kampusch plötzlich wieder auftauchen würde? Ein normales Leben für Maddie wäre doch undenkbar. Und die Eltern? Sie machte der von PR-Profis der Regierung geführte bombastische Medienfeldzug zu Stars, die wie alle großen Stars, eine Riesenfangemeinde, aber auch eine ebenso große Hassgemeinde haben. War es nicht der Wunsch ihr eigenes Kind wieder lebendig in Armen zu halten, warum Gerry und Kate McCann dem Vorschlag von Clarence Mitchell zustimmte?

Die Frage, ob die Eltern an dem Schicksal ihrer Tochter Madeleine McCann, was auch immer an jenem verhängnisvollen 3. Mai 2007 in der Wohnung 5-A im Erdgeschoss des „Ocean Club“ in Praia da Luz, wo Kate und Gerry McCann zusammen mit ihren drei Kindern eine Ferienwohnung bewohnten, geschehen sein mag, wird die Weltpresse wahrscheinlich durch wilde Spekulationen im Minutentakt sicherlich niemals klären können.

Für Gerry und Kate McCann ist die Frage nach Schuld oder Unschuld eine persönliche Angelegenheit. Und wenn sie nichts mit dem Verschwinden von Maddie zu tun haben, dann würde man dies normalerweise unter „tragisches Einzelschicksal“ verbuchen. Aber für die Weltöffentlichkeit verbirgt sich nach dieser beispiellosen PR-Kampagne hinter der Klärung dieser quälenden Überlegung, die Frage, ob Menschen wirklich so kaltblütig sein können, zuerst ihre Tochter fahrlässig durch eine Überdosis, wie von der portugiesischen Polizei unterstellt, zu töten, um danach das Mitgefühl von Millionen Menschen zu mißbrauchen.

Zur Zeit kann niemand beurteilen, ob Gerry und Kate McCann schuldig oder unschuldig sind, ob die als überzeugte Katholiken präsentierten Eltern den Papst hintergangen haben, ob sie David Beckham und die Harry Potter-Autorin J.K. Rowling und die halbe Welt betrogen haben. Aber eines steht schon jetzt fest, nämlich wer die Eltern von Maddie durch seine Öffentlichkeitskampagne in ihre jetzige mißliche Situation gebracht hat. Denn all den Anfeindungen wären sie doch nicht ausgesetzt worden, wenn sie tatsächlich in Praia da Luz auf die Rückker von Maddie gewartet hätten, sondern dies ist erst dadurch verursacht worden, weil die Regierung von Tony Blair plötzlich auf die Idee kam, den Fall Madeleine für sich medial zu nutzen.

Warum nur? Warum ausgerechnet dieser Fall? Warum hat sich um die anderen 1200 Kinder, die auf der britischen Insel spurlos verschwunden sind, kein PR-Beauftragter der Regierung gekümmert? Welche Motive die Medienprofis der Londoner Regierung auch immer bewogen haben, ausgerechnet in diesen Fall aktiv zu werden, wissen wir nicht, aber eines wissen wir, dass hier ein kleines unschuldiges Kind für eine Regierungskampagne instrumentalisiert worden sein muss.

Wenn sich herausstellen sollte, dass die Eltern hundertausende Menschen, die sich für sie in der Blogosphäre oder in der realen Welt durch Solidaritätsbekundungen eingesetzt haben, belogen haben sollten, dann könnte man vielleicht von Maddiegate sprechen. Aber das, was der PR-Apparat der Londoner Regierung gemacht hat, ist Maddiegate.

©2007 by Anatol Wiecki, Medienhure - Das Medienmagazin: www.Medienhure.de

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7 Kommentare zu “Maddiegate?”

  1. jafeth mariani sagt:

    Hammer Artikel. Bravo!

  2. karin sagt:

    interessanter Artikel- vielleicht steckt da ein ganz hohes Tier mit drinn, vielleicht sogar ein sehr reicher Mann. Das arme Kind !! Ob die Eltern beteiligt sind odernicht, auf alle Fälle gibt ´s in so einer Lage keine ruhige Stunde mehr. Und auch keine Normalität!!

  3. Inge sagt:

    Neue Ergebnisse aus den GB-Labors:

    Und die lassen offenbar nur einen Schluss zu, so die Zeitung: Der Ansatz der Portugiesen, sich auf die Eltern zu konzentrieren, ist richtig.

    Untersucht wurden die neuen Spuren vom Forensic Science Service Labor in Birmingham. Sichergestellt wurden sie von Mitarbeitern der Leicestershire Police.

    Um welche DNA-Spuren es sich genau handelt, wird nicht gesagt. Allerdings stammen sie aus „weiterem Material“ aus dem Apartment der McCanns in Praia da Luz (Portugal), dem Leihwagen sowie „anderen Bereichen“ des Ferienkomplexes.

    DAS KÖNNEN DIE HAARE HINTER DEM SOFA SEIN?

    Arme KATE

    Mady - anstrengend + 2 lebhafte Zwillinge + Job.

    TODMÜDE?

    http://www.bringmadeleinehome.com/img/madeleine.jpg

    http://www.allmystery.de/dateien/mg37093,1191928578,madeleina_mccann.jpg

    ICH WEISS WAS DU GETAN HAST!

    Gerry beruhigt Kate - mit Drogen? -

    und bespricht sich mit Jane und Russel, was zu tun wäre.

    So übersteht Kate den Abend - und OBrien schafft die Leiche weg.

    Der Rest ist bekannt.

    25 Tage wird die Leiche versteckt.

    Dann die ominöse Fahrt nach Huelva, zu den Säurebecken.

    Daher der höhnische Spruch:

    “Bringt uns die Leiche!”

    Und sogar den Titel eines Forensikbuches

    hat unser genialer Gerry zitiert.

    Pech für Gerry?

    So klug eingefädelt - und dann die Haare

    hinter dem Sofa und im Radkasten vergessen?

    +++

    6 Staranwälte

    werden wohl genügen

    die Geschworenen zu verwirren?

    FREISPRUCH AUS MANGEL AN BEWEISEN!

  4. Inge sagt:

    Die Polizei sagt es gibt Hinweise darauf dass die Kinder der Freunde auch im Appartment der McCanns waren als Madeleine verschwand, und ausserdem dass an dem Abend die die nach den Kindern sahen alle nur zu dem McCann Appartment gingen und nicht zu ihren eigenen Appartments.

    Sie zweifeln auch Russel O’Brien’s Ausage an dass er am Abend nach seiner kranken Tochter geschaut hatte. Er hatte gesagt dass er die Angestellten des Ocean Resort nach neuer Bettwäsche gefragt hat, weil seine Tochter auf die andere erbrochen hatte, die aber sagen, er habe nicht gefragt.

    Er war von 9.35 bis um 10 vom Dinner abwesend.

    Seine Freundin Jane Tanner hatte angegeben das sie um 9.15 jemanden sah der ein Kind wegtrug, aber jemand anders hat ausgesagt dass Jane Tanner gar nicht dort war um die Zeit.

    Wegen den widersprüchlichen Aussagen der Freunde und den Spuren die im App gefunden wurden, ist die Polizei in Portugal weiterhin davon überzeugt dass Madeleine im App an dem Abend starb.

    timesonline Artikel

  5. Inge sagt:

    Diese Verschlepperei erinnert mich immer öfter an Belgien.

    [url]http://www.zeit.de/1998/09/bruessel.txt.19980219.xml[/url]

    [url]http://www.nachrichten.at/weltspiege…adac7502cd988f[/url]

    Die Freunde aus der Tapasbar müssen nun ihre DNA abgeben.

    Bei der Suche nach Madeleine McCann sollen nun auch die britischen Urlauber, die beim Verschwinden des Mädchens in der gleichen portugiesischen Ferienanlage verweilt hatten, beleuchtet werden. Nach britischen Zeitungsinformationen sollen die Urlauber gebeten worden sein, eine DNA-Probe abzugeben.

    Die Londoner “Times” zitierte am Mittwoch aus einem Schreiben des britischen Kriminalkommissars Stuart Prior, in dem er die Betroffenen im Namen seiner portugiesischem Kollegen um ihre Mitarbeit bittet. Die DNA-Proben und Fingerabdrücke könnten den portugiesischen Ermittlern bei der Identifizierung von DNA-Spuren helfen, heißt es in dem Brief weiter.

  6. Hendrik sagt:

    Das ist doch auch nicht schlecht:
    http://www.polizeibericht.ch/ger_details_7174/London_Fall_Madleine_Mc_Cann_Neues_Phantombild.html

  7. M.LAMBELET sagt:

    DIE ELTERN SIND SCHULD