Horst Seehofer outet sich als Medienopfer

Horst Seehofer postuliert sich in der aktuellen Ausgabe des ‚stern’-Magazins zum Opfer der Medien. „Mein Schweigen ist die beste Lösung für alle Beteiligten“, begegnete der Landwirtschaftsminister auf die Anwürfe seiner 33-jährigen Ex-Geliebten Anette Fröhlich, die am 14. Juni 2007 die gemeinsame Tochter Anna-Felicia unehelich zur Welt gebracht hatte. Fröhlich, die das Bundestagsbüro des früheren CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer leitet, hatte sich erstmalig zu Monatsanfang zu ihrer im Januar dieses Jahres bekannt gewordenen Liaison mit dem CSU-Politiker gegenüber der Illustrierte ‚Bunte’ geäußert.

Trotz Bekanntwerden der außerehelichen Affäre waren noch in der dritten Januarwoche 2007 laut einer FORSA-Umfrage mehr als 76 Prozent der Bayern dafür, dass Horst Seehofer Edmund Stoiber als Vorsitzenden der Christlich Sozialen Union beerben soll. Das Interview seiner Ex-Geliebten wirkt dagegen wie ein Super-GAU für den Politiker, der von der Presse hin und wieder auch als „das soziale Gewissen der Union“ präsentiert wird.

Denn mit scheinbar banalen Formulierungen wie „hätte er sich früher klar ausgedrückt, wäre es für alle Beteiligten besser gewesen“ oder „bevor wir ein Paar wurden, haben wir eine klare Absprache getroffen, was unsere Zukunft betrifft“, um im gleichen Atemzug zu erwähnen, dass der Geliebte all diese Absprachen gebrochen habe, führt sie Seehofer als einen Mann vor, der sich weder an eigene Zusagen hält noch in der Lage wäre energisch Entscheidungen treffen zu können, wenn es drauf ankommt.

Selbst wenn die Mutter der unehelichen Anna-Felicia, die selbst CSU-Mitglied ist, im September 2007 ihren Ex-Geliebten wählen würde, dürfte dies nicht die Stimmenverluste wettmachen, die der wegen seiner Nähe zum Arbeitnehmerflügel seiner Partei früher oft als „Herz-Jesu-Sozialist“ betitelte Politiker, auch durch das ‚Bunte’-Interview erlitten haben dürfte. Denn schon vor erscheinen der Illustrierten, befand sich das niederbayrische Steh-auf-Männchen in einem von FORSA gemessenen Umfragetief. Ende Juli 2007 wollten nur noch 28% der bayerischen Wähler den Sozialpolitiker im Amt des CSU-Vorsitzenden wissen.

Gewiss ist die Affäre nicht zufällig an die Medien geraten. Gewiss haben sich seine Kontrahenten über die Veröffentlichungen gefreut. Denn noch zu Jahresbeginn wirkte Erwin Huber gegen den populären und erfolgreichen Bundespolitiker reichlich chancenlos. Der CDU jedenfalls würde eine von einem Erwin Huber geführte CSU sicherlich gefallen. Jedenfalls kursieren Gerüchte, wonach die Schwesterpartei den bis vor einigen Monaten sehr beliebten Bundesminister beschädigen wolle, da die CSU mit Huber als Parteichef leichter zur Regionalpartei degradiert werden könne.

Bei einem CSU-Chef Horst Seehofer, mag er sich privat noch vor jeder winzigen Entscheidung drücken, müsste die von Angela Merkel geführte Partei in strittigen Fragen durchaus mit mehr Paroli rechnen. Denn nicht umsonst hat der kompromisslose CSU-Politiker Horst Seehofer den Mythos vom Arbeiterkind zum Spitzenpolitiker erlangt. Wie nah oder entfernt das tatsächliche Wahlergebnis von den FORSA-Umfragen sein wird, wird sich im September erweisen. Denn das wissen die Delegierten auf dem CSU-Parteitag auch, es geht nicht darum, ob sich Erwin Huber von ‚BILD’ und ‚Abendzeitung’ unterstützt als Familienmensch präsentieren kann, sondern um die Zukunft Bayerns und den bundespolitischen Einfluss der CSU.

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