DSDS-Checker Thomas Karaoglan kennt nicht Alice Schwarzer – Frauenbewegung votet für Kim Debkowski

Nach seiner Interpretation des Ballermanns-Hits „Das Geht Ab“ von Frauenarzt und Manny Marc, bekam Thomas Karaoglan, bekannter als der „Checker“ aus „Deutschland sucht den Superstar“, von Pop-Titan Dieter Bohlen ein Portrait von Alice Schwarzer geschenkt. Allerdings wusste er nicht, wer die Dame ist. Hier eine kleine Aufklärung: Alice Schwarzer ist seit den 70er Jahren als Feministin bekannt. Sie hat sich maßgeblich für die Frauenrechte eingesetzt. So initiierte sie 1971 die Aktion „Frauen gegen den § 218“ (Hinweis für den „Checker“: gemeint ist der Abtreibungsparagraf, § 218 StGB), damals übrigens noch in enger Zusammenarbeit mit dem „stern“. Die Illustrierte veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 6.7.1971 das öffentliche Bekenntnis von 374 Frauen: „Wir haben abgetrieben“. Auch Alice Schwarzer selbst bekannte sich hierzu, obwohl dies eine Lüge war: „Es handelte sich bei der Aktion nicht um ein persönliches Geständnis, sondern um eine politische Provokation.“, gestand die Ikone der deutschen Frauenbewegung im Mai 2005 gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Sieben  Jahre später, 1978, führte die Journalistin und Autorin dagegen eine mediale und gerichtliche Auseinandersetzung mit der gleichen Illustrierten. Alice Schwarzer warf dem „stern“ wegen seiner sexistischen Titelbilder eine Entwürdigung der Frau vor und reichte unter anderem gemeinsam mit Inge Meysel die sogenannte „Sexismusklage“ gegen den „stern“-Verlag Gruner+Jahr bei Gericht ein. Allerdings verlor sie den Prozess. Genauso wie die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Verlag des Fotografen Helmut Newton, dessen Bilder die „Emma“ 1993 unautorisiert veröffentlichte. Das Frauenmagazin wurde daraufhin vom Landgericht München zu 76.000 Deutsche Mark Schadensersatz verurteilt. Trotz solcher Niederlagen, kann Schwarzer auch bedeutende Verbesserungen für die Rechtsstellung der Frau für sich verbuchen. Als Helmut Schmidt 1974 Nachfolger von Bundeskanzler Willy Brandt wurde, mussten Ehefrauen noch tatsächlich eine Genehmigung einholen, wenn sie eine Erwerbstätigkeit aufnehmen wollten. Aber nicht nur während der Ehe waren die Frauen von ihren Ehemännern abhängig, selbst nach einer Scheidung waren viele alleinstehende Frauen von der „Großzügigkeit“ ihrer Ex-Männer abhängig, da Unterhaltsansprüche von der Gerichten oftmals verwehrt wurden, wenn der Frau ein Verschulden des Scheitern der Ehe zur Last gelegt werden konnte. Erst mit dem Ersten Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts im Jahre 1976 änderte sich die rechtliche Stellung der Frau maßgeblich. Fortan galt bei einer Scheidung nicht das Schuldprinzip, sondern das Zerrüttungsprinzip und Ehefrauen mussten sich nicht ihre Berufstätigkeit erst genehmigen lassen. Damit hatte die von Alice Schwarzer angeführte deutsche Frauenbewegung ein wesentliches politisches Ziel erreicht. Schwarzer gründete kurz darauf, im Jahre 1977, die Frauenzeitschrift „Emma“, die mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren an den Start ging. Heute hat das nach wie vor von Alice Schwarzer geführte Frauenmagazin nur noch eine bescheidene Auflage von deutlich unter 50.000 Exemplaren. Im Kampf um die Frauenrechte vertrat Schwarzer teilweise auch radikale Positionen. So pries sie die Tat von Lorena Borbitt öffentlich gut. Die US-Amerikanerin Borbitt hatte 1993 ihren damaligen Ehemann den Penis abgeschnitten, da dieser sie angeblich vergewaltigt und zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen habe. Diese dramatische Konsequenz gab es für Thomas Karaoglan, der wie 13 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland Alice Schwarzer bisher nicht kannte, zwar nicht, aber vielleicht hat seine Bildungslücke doch zu seinem Ausscheiden bei „Deutschland sucht den Superstar“ geführt und die gesamte deutsche Frauenbewegung hat womöglich für seine DSDS-Rivalin Kim Debkowski gevotet.

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