Deutsch-türkischer Medienkrieg weitet sich zu Politikum in Europa aus

Seit April 2007 sitzt Marco W. (17) im türkischen Touristenort Antalya in Untersuchungshaft. Die dortige Justiz wirft dem Schüler aus dem niedersächsichen Uelzen sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens aus England vor. Während Marco W. in der Türkei auf seinen Prozess oder der erhofften Abschiebung entgegensieht, wird die Britin Charlotte M. seit Tagen belagert. “Es gab Belästigungen vor allem von der deutschen Presse”, sagte ein Sprecher der Polizei in Manchester. Selbst auf ihrem Schulweg wird das Mädchen von Reportern verfolgt.

Während die ganze Geschichte um Marco W. noch vor einigen Tagen nach einer hauptsächlich von deutschen Medien ausgehenden Medienschlacht aussah, bekommt der Vorfall mehr und mehr politische Dimensionen. So schaltete sich auch Jean-Claude Juncker in die Diskussion ein und drohte der EU-beitrittswilligen Türkei: „Ich finde mich nicht einfach damit ab, dass ein junger Deutscher unter unmöglichen Umständen und in unmöglichen Zuständen in einem türkischen Gefängnis festgesetzt wird. Dies hat eine verheerende Wirkung auf unsere öffentliche Meinung“, sagte der Regierungschef des Großherzogtums Luxemburg der Wochenzeitung ‚Rheinischer Merkur’.

“Als ich plötzlich zu mir kam, also erwachte, fühlte ich den Beschuldigten auf mir. […] Ich schubste ihn weg. Dabei bemerkte ich aber eine Feuchtigkeit auf meinem Körper. Danach sind wir zum Arzt gegangen“, sagte die Britin bei der Polizei aus. Zwar könne von „einer Vergewaltigung […] keine Rede sein […] Aber das Ganze ist ohne meine Einwilligung geschehen”, gab das Mädchen zu Protokoll.

Damit ist Marco W. zwar von dem anfänglich erhobenen Vorwurf der Vergewaltigung entlastet, jedoch wäre es, vorausgesetzt die Aussage der 13-Jährigen stimmt, sexueller Missbrauch. Im Gegensatz zur Aussage des Mädchens hatte Marco W. bisher stets erklärt, das Mädchen, welches sich ihm gegenüber zudem als Fünfzehnjährige ausgegeben habe, habe den Urlaubsflirt gesucht. Das Gericht in Antalya will am 6. Juli 2007 nochmals über den Fall verhandeln.

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