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Fall Madeleine: PR-Manager von Gerry und Kate McCann legt Regierungsamt nieder

Erstellt von AW am 18. September 2007

Clarence Mitchell, der als Regierungsdirektor für die Eltern der seit dem 3. Mai 2007 verschwundenen Madeleine McCann alle wichtigen Termine bei Prominenten aus Politik, Showbiz und Kultur einfädelte, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Regierungsdirektor des MMU, einer Abteilung des Presseamts der Londoner Regierung, zurückgetreten. Mitchell hatte im Kriminalfall der vermissten Madeleine zugunsten der Eltern, Gerry und Kate McCann, eine einseitige Medienkampagne mit Hilfe von zahlreichen Regierungsstellen (wie schon im Juni 2007 berichtet) geführt. Nun will Clarence Mitchell die neue Kampagne von Gerry und Kate McCann als privater PR-Berater fortführen.

Clarence Mitchell sagte, die Eltern von Maddie seien “unschuldige Opfer eines gemeinen Verbrechens”. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, habe er sein Amt als Direktor des MMU mit sofortiger Wirkung aufgegeben, teilte der frühere BBC-Reporter vor dem Haus der McCanns in der mittelenglischen Ortschaft Rothley mit. Mitchell, der bisher Regierungs-PR für die Londoner Regierung betrieb, bezeichnete die Vorwürfe gegen die Eltern als „irrsinnig“. Er habe an der Unschuld der Eltern von Madeleine McCann keine Zweifel, ergänzte der ehemalige PR-Manager der Regierung.

In der Tat dürfte Clarence Mitchell der letzte sein, der zu zweifeln beginnt. Denn von der Schuld oder Unschuld hängt nicht nur seine zukünftige Karriere, sondern auch der Ruf des gesamten Presseamts der britischen Regierung ab. Denn Clarence Mitchell fädelte als Regierungsdirektor für die Eltern von Maddie alle wichtigen Termine bei Prominenten aus Politik, Showbiz und Kultur ein. Nur durch ihn, durch Clarence Mitchell, dem Regierungssprecher, erhielten Gerry und Kate McCann sogar eine Audienz beim Papst. Was bleibt Clarence Mitchell da anders übrig, als die Verdachtsmomente gegen die Eltern als „irrsinnig“ zu bezeichnen. Denn wenn es nicht so wäre, wäre die von ihm gesteuerte Regierungskampagne nicht mehr begreiflich zu machen.

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Eva Herman: Nach Buchvorstellung vom NDR gekündigt

Erstellt von AW am 9. September 2007

„Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin“, so begründete NDR-Programmdirektor Volker Herres die sofortige Entlassung der früheren Tagesschau-Moderatorin Eva Herman. Vorausgegangen waren Äußerungen der Beststellerautorin während einer Präsentation ihres neuen Buches “Das Prinzip Arche Noah” in Berlin. Dort erklärte die ehemalige „Miss Tagesschau“, im Dritten Reich sei “vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler”. Dann fügte sie hinzu: “Aber einiges auch sehr gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“, wie eine Reporterin des ‚Hamburger Abendblatt’ notierte. Die Buchautorin und Fernsehmoderatorin Eva Herman bestätigte ihre Äußerungen: „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.“

Bereits vor einem halben Jahr geriet Herman in die Schlagzeilen, weil sie im März 2007 beinahe bei einer Untergruppierung der rechtsnationalen FPÖ in Österreich aufgetreten wäre. Der Freiheitliche Parlamentsklub aus Österreich hatte sie für einen Vortrag eingeladen. Nach öffentlicher Kritik an ihren geplanten Auftritt, zog die ausgebildete Journalistin ihre Teilnahme an der Veranstaltung zurück, da sie im Vorfeld nichts von der Verbindung zu einer politischen Partei gewusst habe, sie sei von einem ihr „unbekannten Veranstalter“ eingeladen worden.

Hinter den Kulissen wird allerdings gemunkelt, der NDR habe schon lange auf einen Kündigungsgrund gewartet, um sich von der 48-jährigen Buchautorin, die 1983 bis 1986 den Beruf des Journalisten beim Bayerischen Rundfunk erlernte und seit ihrem Wechsel zum NDR ab 1988 über 19 Jahre beim Norddeutschen Rundfunk durch zahlreiche Sendungen führte, trennen zu können. Denn schon mit ihrem letzten Buch ‚Das Eva-Prinzip’ hatte sie eine neue Feminismus-Debatte ausgelöst, weswegen sie auch die Tagesschau-Moderation bei ARD-aktuell am 24. August 2006 nach 17 Jahren abgeben musste.

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Madeleine McCann: Die Medieninszenierung der britischen Regierung

Erstellt von AW am 7. September 2007

Der Papst und etliche international bekannte Politiker – wie der spanische Innenminister oder Berlins regierender Bürgermeister Wowereit – sind mit Hilfe eines ranghohen PR-Managers der britischen Regierung weltweit vorgeführt worden, sollte sich der Verdacht gegen die Elten von Madeleine McCann bewahrheiten. Oder anders gesagt: Das Vereinigte Königreich auf der Insel wäre bis auf die Knochen blamiert. Bereits vor über drei Monaten berichtete Medienhure – Das Medienmagazin über die Verwicklungen der britischen Regierung in dem Fall Madeleine, damals noch in der Annahme, Madeleine McCann sei entführt worden. Nun sieht es so aus, dass die gestressten Eltern ihr damals dreijähriges Kind mit Tabletten ruhigstellen wollten, um den Abend gemütlich verbringen zu können. Dabei, so vermuten Experten, habe die Mutter dem Kind versehentlich eine Überdosis verabreicht.

Sollte sich diese Theorie bewahrheiten, dann hätte die Regierung ihrer Majestät ein ernsthaftes Erklärungsproblem. Denn die gigantische PR-Maschinerie der Eltern von Madeleine McCann wurde in den ersten Wochen von Clarence Mitchell koordiniert. Mitchell ist nicht etwa Chef einer kleinen PR-Agentur in einem Londoner Hinterhof, die die Eltern gebucht haben könnten, sondern Direktor einer Abteilung des Central Office of Information (COI), - übersetzt ins deutsche - der Propagandastab der britischen Regierung, Das COI ist stolz auf seine exzellente Marketingkompetenz – wie man der Startseite des COI im Internet entnehmen kann. Die britische Regierung hatte Clarence Mitchell für die Eltern von Madeleine als Berater quasi abkommandiert. Erst als sich das Blatt zu wenden schien und die Zweifel immer lauter und lauter worden, zog die Regierung ihren PR-Mann als persönlichen Berater für die Eltern von Madeleine McCann ab.

Aber bis dahin hatte Clarence Mitchell beste PR-Arbeit im Sinne der Elten der kleinen Madeleine geleistet. Zahlreiche Prominente wie David Beckham wurden in die gigantische PR-Maschinerie eingespannt. Aber nicht nur bei Prominenten aus Sport und Showbiz konnten Kate und Gerry McCann dank der tatkräftigen Unterstützung des amtlichen britischen Presseamts punkten. Clarence Mitchell und die diplomatischen Auslandsvertretungen von Großbritannien organsierten auch Treffen der Eltern mit ranghohen Politikern, dies reichte von einem gemeinsamen Fototermin mit dem spanischen Innenminister und gipfelte in einer persönlichen Audienz beim Papst.

Alles koordiniert durch Clarence Mitchell von der britischen Regierung. Aber nicht nur die Mächtigen der Welt sind mit Hilfe der britischen Regierung vorgeführt worden, danach entwickelte sich eine Eigendynamik, so dass selbst Unternehmen wie McDonald’s auf den Werbefeldzug der Eltern der kleinen Madeleine aufsprangen und Poster der vermissten Madeleine abdruckten. Dank der Mega-Medienkampagne konnte jeder Zweifel schnell mit einem künstlichen Sturm der emotionalen Entrüstung im Keim erstickt werden, so wurde eine Reporterin des Hessischen Rundfunks, die die von der britischen Regierung gepushten Eltern auf einer in Berlin stattfindenden Pressekonferenz im Juni 2007 nach einer möglichen Verstrickung fragte, durch britische Medien für ihre „grausame Frage“ als „verachtenswürdig“ (Daily Mirror) gegeißelt. Das die Pressekonferenz nicht irgendwo, sondern selbstverständlich im Bundespresseamt der deutschen Bundesregierung stattfand, braucht wegen der Unterstützung durch die britische Regierung nicht extra erwähnt werden.

Jeder hat das Recht auf die Unschuldsvermutung. Aber die Allgemeinheit hat auch ein Recht auf objektive Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden. Wie kann man von der Polizei unter einen derart aufgebauten medialen Druck noch erwarten, in eine andere Richtung zu ermitteln? Erst seit gesten werden Kate und Gerry McCann zum ersten Mal getrennt voneinander verhört. In jedem gleichgelagerten Fall wäre dies sofort geschehen. Aufgrund des von der britischen Regierung anfänglich verursachten medialen Drucks, müssen doch die heutigen Erkenntnisse wie eine schallende Ohrfeige für Clarence Mitchell vom Presseamt der britischen Regierung wirken.Ob in Deutschland vor 20 Jahren auch der damalige Regierungssprecher der Bundesregierung, Peter Boenisch, auf die Idee gekommen wäre, eine PR-Schlacht für „Mutter Weimar“ zu inszenieren, man weiß es nicht. Wohl eher nicht. Und die britische Regierung wird es sich beim nächsten Mal, wohl gründlicher überlegen. Denn durch die aktive Unterstützung der Regierung konnten die Eltern von Madeleine McCann nicht nur monatelang einen Heiligenschein, der ihnen jegliche moralische Immunität verlieh, tragen, sondern darüber hinaus Spendengelder in Millionenhöhe einsammeln.

Auch wenn sich der Fall Madeleine als ein Unfall herausstellen sollte und die Eltern aus Imagegründen, weniger aus Angst vor einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung, die Leiche der kleinen Madeleine ins Meer geworfen haben sollten, wird ein fader Beigeschmack immer haften bleiben. Alle Eltern, deren Kinder wirklich entführt worden sind oder in Zukunft entführt werden, sind Opfer dieser Medieninszenierung. Man wird sich immer dieses Falles zurückerinnern. Denn wer möchte schon ein zweites Mal betrogen werden?

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Das Geiseldrama von Gladbeck: Medien. Mittäter. Mörder.

Erstellt von AW am 20. August 2007

Am Morgen des 16. August 1988 drangen die beiden vorbestraften Vorstadtganoven Dieter Degowski (32) und sein Schulfreund Hans-Jürgen Rösner (31) kurz vor Geschäftsbeginn mit einer Pistole und einem Revolver bewaffnet in die Filiale Schwechater Straße 38 der Deutschen Bank in Gladbeck ein. Um genau 08.04 Uhr geht bei der Gladbecker Polizei der Notruf eines Arztes ein, dessen Praxis damals direkt eine Etage über der Bankfiliale gelegen war. Die herannahenden Polizeikräfte stellen ihre Steifenwagen unmittelbar vor dem Eingang der Bank ab, weswegen die beiden Täter, die zunächst unerkannt flüchten wollen, sich in der Bank mit zwei Bankangestellten als Geiseln verschanzen. Damit beginnt einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Geiseldrama von Gladbeck.

1988, wir schreiben das vierte Jahr des dualen Rundfunksystems in Deutschland. Seit 1984 gibt es neben den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern nun das Privatfernsehen, einher geht der Siegeszug der Quote als wichtigstes „Qualitätskriterium“. Die Schlacht um die besten Storys, um die besten Bilder, um die größten Marktanteile beginnt. Aber welchen Blutpreis die Medien bereit sind zu zahlen, werden die Menschen erst 54 Stunden nach Beginn des Gladbecker Geiseldramas erfahren - und nach einigen Jahren, vielleicht, begreifen.

Zum ersten Mal in der deutschen Fernsehgeschichte gibt es Livebilder von einem noch stattfindenden Verbrechen. Die ganze Fernsehnation bekommt die Story, die man vorher jeden Drehbuchautor um die Ohren gehauen hätte, nun direkt vom Tatort live über die Flimmerkiste geliefert. Brutale Verbrecher werden dank der Medien, die im Kampf um exklusiv verwertbare Bilder, jede Moral vergessen, für einige Stunden zu Stars. Eine völlig inkompetente Polizei zieht sich zurück und überlässt es Reportern, mit den Gangstern zu verhandeln. Journalisten beobachten nicht nur das Ereignis, sondern sie manipulieren es.

Aufgrund damals neuentwickelter Sendeformate wussten viele Zuschauer und Zeitungsleser nicht mehr, ob es sich um einen Krimi oder um ein reales Ereignis handelt, wie 1938 bei der Massenpanik um das Hörspiel „Krieg der Welten“ von Orson Welles. Denn niemals zuvor haben Journalisten die Grenze zwischen Berichterstattung und Manipulation so verwischt. Und niemals zuvor haben Journalisten zwei Gangstern, noch dazu während eines laufenden Verbrechens, ein derartiges Forum geboten.

Am Ende des Verbrechens, welches drei Menschen ihr Leben kosten soll, wird es zu zahlreichen Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte und Pressevertreter kommen. Der nordrhein-westfälische Landtag und das Bremer Abgeordnetenhaus werden sich mit dem Geiseldrama von Gladbeck befassen. Aber nur ein Kopf wird rollen. Der sozialdemokratische Innensenator von Bremen, Bernd Meyer, tritt drei Monate nach dem bis dahin spektakulärsten Verbrechen der Nachkriegszeit von seinem Amt zurück.

Chronologie des Geiseldramas von Gladbeck

16. August 1988

Die Polizei sperrt die Telefonanschlüsse der Bank nicht, so dass Journalisten mit den Gangstern in der Bank ungehindert Telefoninterviews führen können. ,,Ich will jetzt durch die Medien sprechen“, fordert Dieter Degowski. Die Medien kommen im Kampf um die Quote dieser Forderung eines der Bankräuber nur allzu gern nach. Über einen privaten Radiosender teilen die Geiselnehmer ihre Forderung nach einem Fluchtwagen und 300.000 Deutsche Mark Lösegeld der Öffentlichkeit und der Polizei mit.

Schließlich geht die Polizeiführung auf die Forderungen der Verbrecher ein und ein nur mit einer Badehose bekleideter Polizist überbringt das geforderte Lösegeld, so dass die beiden Geiselnehmer gegen 21.47 Uhr  mit ihren bis dahin zwei Geiseln, der Kundenberaterin Andrea Blecker und dem Kassierer Reinhold Alles, unter Blitzlichtgewitter der Presse die Bank mit einem von der Polizei gestellten Fluchtwagen in Richtung Bremen verlassen können.

Bevor sie der Stadt jedoch den Rücken kehren, nehmen sie jedoch Marion Löblich, die 34-jährige Freundin von Rösner, noch in der Wohnung seiner Schwester in Gladbeck auf. Ganz im Gegensatz zur Polizei, halten sich die Journalisten bei der Verfolgung des Fluchtwagens nicht zurück.

17. August 1988

Mittlerweile dauert das Verbrechen schon über einen Tag an. In Bremen gehen die Gangster gemütlich einkaufen. Die Polizei lässt mehrere Chancen auf einen für die beiden Geiseln ungefährlichen Zugriff verstreichen. Statt die Gangster unschädlich zu machen, schaut die Bremer Polizei seelenruhig zu wie das Trio Degowski, Rösner und seine Gangsterbraut am 17.8.1988 zunächst gegen 16.41 Uhr bei einer Autovermietung einen BMW raubt und dann gegen 19.07 Uhr in Bremen-Huckelriede einen vollbesetzten Bus der Linie 53 kapert.

Es kommt zu beispiellosen Szenen in der deutschen Mediengeschichte. Von Polizei ist weit und breit nichts zu sehen. Reporter auf der Jagd nach Schlagzeilen, finden sich auf einmal in einer neuen Rolle wieder: Sie greifen aktiv in die stockenden Verhandlungen zwischen den Gangstern und der Polizei ein. Degowski und Rösner „erlauben“ den Fernsehteams und Fotografen Aufnahmen in dem von ihnen gekaperten Linienbus 53. Reporter interviewen nicht nur die Gangster, sondern auch die unschuldigen Geiseln. Die Gesichter der Geiseln werden 13 Millionen Fernsehzuschauern in den Fernsehnachrichten und Sondersendungen gezeigt. Und den Zuschauern wird auch ein Hans-Jürgen Rösner, mit der Waffe in der Hand Interviews gebend, zugemutet.

Einer der im Bremen vor Ort die Verbrecher interviewt, der Fernsehreporter Günter Ollendorf, wird Jahre später sagen: „Rösner war vor allem die Frage unangenehm, ob er wisse, dass Unschuldige in dem Bus säßen“ und „Ich bin sicher, wenn ein Psychologe dagewesen wäre, hätte er etwas bewegen können“. Aber die Polizei ist mit keinem Psychologen vor Ort. Vielmehr lässt sie sogar Kinder an dem Bus spielen. Die Polizei verwechselt offenbar eine Geiselnahme mit einer Freizeitveranstaltung.

Nachdem einige Geiseln aussteigen dürfen, verlässt der gekaperte Bus  der Bremer Stadtwerke um 21.50 Uhr, gefolgt von einem Medientross, Bremen. Ein Reporter einer großen deutschen Nachrichtenagentur folgt mit einem Taxi den Geiselbus. Als das Taxi aus Sicht der Geiselgangster offenbar zu Nah ran kommt, schießen sie unerwartet auf den Wagen. Auf der in Niedersachsen gelegenen Autobahnraststätte Grundbergsee werden die beiden Geiseln der ersten Stunde, die beiden Angestellten der Deutschen Bank, endlich freigelassen.

Offenbar eigenmächtig, wie es später im Abschlußbericht stehen wird, machen zwei Polizeibeamte gegen 22.46 Uhr Marion Löblich während eines Toilettenbesuchs dingfest und legen ihr Handschellen an, deren Schlüssel im Gerangel bricht.  Als dies die beiden im Geiselbus verbliebenen Gangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner mitbekommen, drohen sie mit der Erschießung von Geiseln, wenn Rösners Freundin nicht binnen „fünf Minuten“ freigelassen sei. Der freie Journalist Peter Meyer, der sich schon als Austauschgeisel angeboten haben soll, betätigt sich nun als Vermittler zwischen den Kriminellen und der Polizei. Eine halbe Stunde nach ihrer Festnahme fahren Polizeibeamte Marion Löblich, die man schon von der Raststätte abtransportiert hat,  nach Grundbergsee zurück.

Aber da ist es schon passiert. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, schießt der kaltblütige Verbrecher Dieter Degowski einem 15-jährigen italienischen Jungen, Emanuele di Giorgi, in den Kopf. Emanuele di Giorgi hatte zuvor versucht, seiner kleinen Schwester zu helfen, als sie von dem Schwerstkriminellen bedroht wird. Emanuele di Giorgi hätte sogar überlebt. Ein vorhandener Rettungswagen hätte den Jugendlichen binnen kürzester Zeit ins nahe gelegene Zentralkrankenhaus Bremen-Ost bringen können. Aber der Junge muss nach 20 Minuten ausbleibender Wundversorgung sterben, weil die Polizei bei einer Geiselnahme nicht mit Verletzten rechnet und deshalb vermutlich kein Krankenwagen in der Nähe ist.

18. August 1988

Ein Polizeibeamter, der den Geiselbus verfolgt, wird kurz nach Mitternacht tödlich verletzt, als sein Wagen mit einem LKW kollidiert.

Als der Bus gegen 02.30 Uhr die deutsch-niederländische Grenze passiert, fallen einige Schüsse, wobei der Busfahrer und Marion Löblich leicht verletzt werden. Nach dem die Gangster die niederländische Grenze passiert haben, lässt das mörderische Trio fast alle seine Geiseln, bis auf zwei junge Frauen, Silke Bischoff und Ines Voitle, frei. Die niederländische Polizei stellt den Gangstern gegen 07.30 Uhr für ihre weitere Flucht einen präparierten BMW, dessen Motor die Polizei mit einer Fernbedienung abschalten kann, zur Verfügung. In einer Apotheke in Wuppertal versorgen sich die Geiselnehmer mit Schmerz- und Aufputschmitteln.

Gegen 10.53 Uhr tauchen die Gangster mit ihrem BMW die Kölner Fußgängerzone Breite Straße in unmittelbarer Nähe des Neven DuMont-Verlags, der neben dem ‚Kölner Stadt-Anzeiger’ auch die Boulevardzeitung ‚Express’ herausgibt, in eine unheimliche Kulisse. Schier unglaubliche und absurde Szenen spielen sich dort ab. Waren die Ereignisse vom Vortag schon unwirklich, werden sie jetzt noch irrealer. Die Verbrecher geben mitten in der Kölner City, umringt von Schaulustigen und etlichen Journalisten, eine „Pressekonferenz“.

„Braucht Ihr etwas?“, fragt ein Reporter. Einige Pressevertreter outen sogar den Pressesprecher der Kölner Polizei und andere Polizeibeamte als solche. Die Gangster wissen jetzt bescheid. Plötzlich sind die Poller, die vormittags für die Lieferanten unten sind, nach oben gefahren. So schnell kann dies eigentlich nur die Polizei, ist sich Udo Röbel sicher. Röbel ist in jenen Augusttagen stellvertretender Chefredakteur der Lokalredaktion des Kölner ‚Express’.

Udo Röbel wird später erzählen, er habe von dem Geiseldrama bis zu den Begebenheiten in der Kölner Fußgängerzone überhaupt nichts mitbekommen. Ja, zu Beginn, am 16. August 1988, habe er lediglich eine Tickermeldung gelesen, aber die Agenturmeldung über einen Bankraub irgendwo im Ruhrgebiet habe ihn nicht sonderlich interessiert. Denn er habe bis dahin zwei Wochen durchgearbeitet und sich auf zwei fernsehfreie Tage gefreut. Von allem habe er nichts mitbekommen. Nichts davon, dass das Zweite Deutsche Fernsehen sein Programm unterbrach. Nichts davon, dass Emanuele di Giorgi auf der Raststätte Grundbergsee ermordet wurde. Denn schließlich habe er zwei Tage kein Fernsehen gesehen und kein Radio gehört, so der Medienmensch Udo Röbel später.

Der Hamburger Obdachlosenzeitung „Hinz & Kunzt“ gab Udo Röbel letztes Jahr zu dem Thema ein Interview. „Der Tag ist gerettet“, wäre sein erster, typisch journalistischer Reflex, gewesen. „Um eine Schlagzeile bräuchten wir uns wohl keine Gedanken mehr zu machen an diesem Tag, dachte ich, als ich in die Redaktion fuhr“, wird er darin zitiert.

Udo Röbel: „Schon nach wenigen Minuten war ich nicht mehr allein. Immer mehr Reporter, Fotografen und Kamerateams kamen aus allen Richtungen herbei und drängten sich um das Auto. Sie schoben und drückten von hinten. Es kostete mich immer mehr Kraft, meinen Platz in der ersten Reihe zu verteidigen. Spätestens jetzt hätte ich gehen können. Zurück an meinen Schreibtisch. Doch der kollektive Rausch, die Hysterie einer Big Story, die wir so noch nie erlebt hatten, die hatten auch mich längst gepackt. Pures Adrenalin jagte durch meinen Körper. Ich befand mich mitten in einem Kinofilm. Live und in Farbe. Zu einem kühlen Kopf war ich nicht mehr fähig. Heute weiß ich gar nicht mehr genau, was ich Rösner damals eigentlich genau gefragt habe. Der einzige klare Gedanke, der ab und zu vage in mir auf blitzte, war die Frage, wo die Polizei war. Nichts. Keine Uniform, kein Streifenwagen. Ja, verdammt noch mal, wo ist eigentlich die Polizei? Sehen die nicht, dass hier langsam alles aus dem Ruder läuft?“.

Heute gibt es viele Kritiker und Moralapostel, die sich anmaßen im nachhinein aufgrund der Entscheidung von Udo Röbel Medienschelte zu betreiben.

Frank Plasberg (WDR, ‚hart aber fair’) beantwortet die Frage von WDR.de „Gab es denn von Seiten der Polizei keinerlei Versuch, die Journalisten und die Schaulustigen in Köln aus ihrer lebensgefährlichen Situation hinauszubringen?“ wie folgt:

„Nein. Es war zwar auf Fernsehbildern ein einzelner Mann in zivil zu erkennen, der offensichtlich versuchte, etwas Ordnung in diese chaotische Situation zu bringen. Doch selbst der war nicht, wie zuerst vermutet wurde, ein ziviler Polizeibeamter, sondern der Journalist Udo Röbel. Der war 1988 stellvertretender Chefredakteur des Kölner Express und seine Redaktionsräume waren nur rund 100 Meter entfernt - so fühlte er sich wohl verantwortlich, das ganze ein bisschen “zu ordnen”. Später stieg Röbel ja sogar selbst in das Fluchtfahrzeug mit ein, um ein Stück mitzufahren.“

Nun, wird nach Peter Meyer, mit Udo Röbel ein weiterer Journalist zum Vermittler zwischen den Mördern und der Polizei. Die Polizei fährt die Poller wieder runter, auch weil die Sache in der Kölner Fußgängerzone wegen der Schaulustigen außer Kontrolle geraten ist. Journalisten und Gaffer scheinen die Gefahr auch dann nicht zu realisieren, als auf sie eine Waffe gerichtet ist. Udo Röbel steigt in den Geiselwagen. Nun ist er mittendrin statt nur dabei. Er dirigiert die ortsunkundigen Verbrecher mit ihren beiden Geiseln und ihm, den Berichterstatter, aus Köln. Die Straßenverkehrsordnung scheint es nicht mehr zu geben und etliche Presseautos lassen sich weder von der Polizei und schon gar nicht von Rotampeln stoppen.

Inzwischen hat die Einsatzleitung der nordrhein-westfälischen Polizei, um 13.18 Uhr, entschieden: “Zugriff wenn möglich noch auf der BAB, bei nächster günstiger Gelegenheit, wenn möglich bei Halt. Täter dürfen nicht wieder in einen City-Bereich einfahren.” Udo Röbel verlässt den Fluchtwagen an der Raststätte Siegburg.

Weil die nordrhein-westfälische Polizei die Fernbedienung für das abschalten des von der niederländischen Polizei präparierten BMW-Motors einfach vergessen hat, kann sie den Motor nicht abschalten. Vielleicht weil die nordrhein-westfälische Landespolizei das Geiseldrama aus Imagegründen unbedingt noch in Nordrhein-Westfalen beenden möchte, wird das Fahrzeug mit den noch darin befindlichen beiden unschuldigen Geiseln, Silke Bischoff und Ines Voitle, von einem Sondereinsatzkommando (SEK) auf der A3 kurz vor der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz bei Bad Honnef gerammt, um es so zum stoppen zu bringen. Aber nicht nur das, es werden auch auf das Fahrzeug 60 Schüsse aus Polizeiwaffen abgegeben. Die Geisel Silke Bischoff, die einen Tag zuvor nur mit einem Linienbus fahren wollte, stirbt im Alter von nur 18 Jahren. Später wird es heißen, keine der 60 Polizeikugeln habe die Geisel getroffen. Vielmehr sei sie durch einen Schuss aus der Waffe des Gangsters Hans-Jürgen Rösner gestorben, die dieser reflexartig abgegeben habe.

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl distanzierte sich kurz nach dem blutigen Ende von dem katastrophalen Einsatz der NRW-Landespolizei. Hinter der Landesgrenze, in Rheinland-Pfalz, stand schon die Antiterroreinheit GSG9 bereit, die die Sache aufgrund einer gewissen Praxis sicherlich hätte besser beenden können. Dies war auch dem damaligen Landesinnenminister von Nordrhein-Westfalen, Dr. Herbert Schnoor, bekannt, der übrigens nicht wie sein Bremer Kollege zurücktrat, sondern das Gladbecker Geiseldrama zum Anlass nahm, sein Ministeramt eine weitere Legislaturperiode zu bekleiden. Denn eigentlich sah die Lebensplanung des NRW-Innenministers einen Rückzug ins Privatleben vor. Nach dem Gladbecker Geiseldrama befürchtete Schnoor jedoch, die Umsetzung seiner Lebensplanung könnte in der Öffentlichkeit und in den Medien falsch interpretiert werden und die WählerInnen könnten seinen lang geplanten Rückzug aus der Politik als ein Schuldeingeständnis werten. Deshalb blieb Schnoor noch bis 1995 Innenminster des Landes Nordrhein-Westfalen. Image ist eben alles.

Gladbeck ist ein Medienskandal, aber in erster Linie ein Polizeiskandal – zum Glück einer aus dem die Polizei, auch die des Landes Nordrhein-Westfalen, hoffentlich gelernt hat. Als im Juni 2000 ein Geisteskranker im luxemburgischen Wasserbillig in einem Kindergarten, 23 Kinder und 3 ErzieherInnen als Geiseln nahm, rief Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker seinen Freund, den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement an. Dieser schickte kurzerhand seine Jungs vom SEK Düsseldorf vorbei. Ohne anzugeben, was sie damit vorhätten, habe die Polizei die komplette Ausrüstung eines RTL-Fernsehteams beschlagnahmt. Die Polizei brauchte die Ausrüstung, um das nachzuholen, was sie bei den Geiselgangstern von Gladbeck versäumt hatte: Die Beendigung einer Geiselnahme durch eine finale Maßnahme, um viele unschuldige Menschenleben zu retten. Die Polizei hätte das schon 1988 tun sollen. Presseautos und Kamerawagen kurzerhand beschlagnahmen, um getarnt als Reporterteam gegen die Geiselnehmer vorgehen zu können, und Silke Bischoff, Emanuel di Giorgi und auch der tödlich verunglückte Polizist könnten heute noch leben.

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Horst Seehofer outet sich als Medienopfer

Erstellt von AW am 15. August 2007

Horst Seehofer postuliert sich in der aktuellen Ausgabe des ‚stern’-Magazins zum Opfer der Medien. „Mein Schweigen ist die beste Lösung für alle Beteiligten“, begegnete der Landwirtschaftsminister auf die Anwürfe seiner 33-jährigen Ex-Geliebten Anette Fröhlich, die am 14. Juni 2007 die gemeinsame Tochter Anna-Felicia unehelich zur Welt gebracht hatte. Fröhlich, die das Bundestagsbüro des früheren CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer leitet, hatte sich erstmalig zu Monatsanfang zu ihrer im Januar dieses Jahres bekannt gewordenen Liaison mit dem CSU-Politiker gegenüber der Illustrierte ‚Bunte’ geäußert.

Trotz Bekanntwerden der außerehelichen Affäre waren noch in der dritten Januarwoche 2007 laut einer FORSA-Umfrage mehr als 76 Prozent der Bayern dafür, dass Horst Seehofer Edmund Stoiber als Vorsitzenden der Christlich Sozialen Union beerben soll. Das Interview seiner Ex-Geliebten wirkt dagegen wie ein Super-GAU für den Politiker, der von der Presse hin und wieder auch als „das soziale Gewissen der Union“ präsentiert wird.

Denn mit scheinbar banalen Formulierungen wie „hätte er sich früher klar ausgedrückt, wäre es für alle Beteiligten besser gewesen“ oder „bevor wir ein Paar wurden, haben wir eine klare Absprache getroffen, was unsere Zukunft betrifft“, um im gleichen Atemzug zu erwähnen, dass der Geliebte all diese Absprachen gebrochen habe, führt sie Seehofer als einen Mann vor, der sich weder an eigene Zusagen hält noch in der Lage wäre energisch Entscheidungen treffen zu können, wenn es drauf ankommt.

Selbst wenn die Mutter der unehelichen Anna-Felicia, die selbst CSU-Mitglied ist, im September 2007 ihren Ex-Geliebten wählen würde, dürfte dies nicht die Stimmenverluste wettmachen, die der wegen seiner Nähe zum Arbeitnehmerflügel seiner Partei früher oft als „Herz-Jesu-Sozialist“ betitelte Politiker, auch durch das ‚Bunte’-Interview erlitten haben dürfte. Denn schon vor erscheinen der Illustrierten, befand sich das niederbayrische Steh-auf-Männchen in einem von FORSA gemessenen Umfragetief. Ende Juli 2007 wollten nur noch 28% der bayerischen Wähler den Sozialpolitiker im Amt des CSU-Vorsitzenden wissen.

Gewiss ist die Affäre nicht zufällig an die Medien geraten. Gewiss haben sich seine Kontrahenten über die Veröffentlichungen gefreut. Denn noch zu Jahresbeginn wirkte Erwin Huber gegen den populären und erfolgreichen Bundespolitiker reichlich chancenlos. Der CDU jedenfalls würde eine von einem Erwin Huber geführte CSU sicherlich gefallen. Jedenfalls kursieren Gerüchte, wonach die Schwesterpartei den bis vor einigen Monaten sehr beliebten Bundesminister beschädigen wolle, da die CSU mit Huber als Parteichef leichter zur Regionalpartei degradiert werden könne.

Bei einem CSU-Chef Horst Seehofer, mag er sich privat noch vor jeder winzigen Entscheidung drücken, müsste die von Angela Merkel geführte Partei in strittigen Fragen durchaus mit mehr Paroli rechnen. Denn nicht umsonst hat der kompromisslose CSU-Politiker Horst Seehofer den Mythos vom Arbeiterkind zum Spitzenpolitiker erlangt. Wie nah oder entfernt das tatsächliche Wahlergebnis von den FORSA-Umfragen sein wird, wird sich im September erweisen. Denn das wissen die Delegierten auf dem CSU-Parteitag auch, es geht nicht darum, ob sich Erwin Huber von ‚BILD’ und ‚Abendzeitung’ unterstützt als Familienmensch präsentieren kann, sondern um die Zukunft Bayerns und den bundespolitischen Einfluss der CSU.

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