Published on: 12th September, 2008
Bereits im April 2005 rief die zum Heise-Verlage gehörende Computerzeitschrift c’t zu einem Wettbewerb für Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, auf. Damals ging es darum, den Phantasienamen „Hommingberger Gepardenforelle“ in Suchmaschinen wie Google nach oben zu pushen. Beteiligen durften sich nicht nur Profi-Suchmaschinenoptimierer, sondern auch ganz normale Internetnutzer mit einer privaten Homepage. Nun hat die Fliks GmbH auf Ihrer Website MacNotes.de diese Idee wieder neuentdeckt und ebenfalls einen solchen Wettbewerb für Suchmaschinenoptimierer und Webmaster privater Websites ausgeschrieben. Diesmal geht es um den Phantasiebegriff „Befreiphone“. Dies wäre eigentlich nichts besonderes, wenn nicht bekannte Onlinemagazine wie BILD.de schon darüber berichtet hätten. Die Macher von Macnotes wollen anläßlich der Leitmesse für digitales Marketing omd (online marketing düsseldorf), die Website, der es bis zum 17. September 2008, 22.00 Uhr gelingt auf den 1. Platz unter dem Kunstwort „Befreiphone“ zu landen, mit einem iPhone 3G belohnen.
Ob sich wirklich die Profis unter den Suchmaschinenoptimierern an dem Wettbewerb beteiligen werden, ist fraglich. Denn der SEO-Wettbewerb um das Wort „Befreiphone“ ist nur auf wenige Tage angelegt. Bei der seriösen Suchmaschinenoptimierung geht es aber nicht darum sehr schnell nur kurzlebige Positionen bei Suchmaschinen wie Google zu erreichen, sondern das Suchmaschinen-Ranking langfristig zu beeinflußen. Das Ziel, die eigene Website mit dem Begriff Befreiphone in nur weniger als zwei Wochen bei Google auf den ersten Platz zu hieven, kann eigentlich nur mit Glück und Kommissar Zufall oder fragwürdigen Methoden zu erreichen sein. Indes gewährt die kurze Dauer dieses SEO-Wettbewerbs eben keinen realistischen Einblick wie Suchmaschinenoptimierung tatsächlich funktioniert.
Grundsätzlich sollte man aber Suchmaschinenoptimierung um der Suchmaschinenoptimierung willen, nicht unterstützen. Denn damit werden letztendlich die Interessen der Internetnutzer verletzt. Denn “die Internetnutzer wollen schließlich nützliche und für sie relevante Internetseiten bei Google und anderen Suchmaschinen finden”, sagt Anatol Wiecki von der auf Suchmaschinenoptimierung spezialisierten Agentur media.wiecki. Tatsächlich finden sie heute jedoch nicht selten von unseriösen Suchmaschinenoptimierern manipulierte Websiten. Durch Suchmaschinenoptimierung treten die Interessen der Menschen oft in den Hintergrund. Wer beispielsweise nach „Arbeitsrecht Berlin“ sucht, hat nicht die Garantie, das er den besten Rechtsanwalt für Arbeitsrecht findet, sondern einen Anwalt, der vielleicht eine Agentur für Suchmaschinenoptimierung beauftragt hat.
Übrigens: Die Initiatoren des „Befreiphone“-Wettbewerbs gehen sogar einen Schritt weiter: Es soll nicht nur ein SEO-Wettbewerb bleiben. Das Wort „Befreiphone“ soll nun auch in Funk und Fernsehen. Wer es schafft, das Wort „Befreiphone“ in eine Radiosendung oder eine Fernsehsendung zu bekommen, kann ebenfalls ein iPhone 3G gewinnen, sei es als Anrufer in einer nächtlichen Sendung bei Neun Live oder als T-Shirt-Träger in einer Live-Sendung. Preiswerter geht Guerilla Marketing nun wirklich nicht.
September 13th, 2008 at 01:51
Ola!
Endlich mal ein erfrischend sachlicher Artikel zum leider beinahe alltäglichen SEO-Wahnsinn. Manchmal, wenn es dunkel ist und ich alleine im stillen Kämmerlein hocke, habe ich die Angst, der einzige zu sein, der sich nicht an Gina Lisa ergötzt oder dem Befreiphone hinterher hechelt.
Danke!
Steffen
September 16th, 2008 at 14:34
Oja! Ich will das Ding auch haben, aber bei 9live anrufen dafür…
Oktober 23rd, 2008 at 09:40
Der künstliche Hype ist absoluter Unsinn. Nur weil die ganze Blogosphäre da mit macht. Kann man nur den Kopf schütteln…
November 4th, 2008 at 16:00
Meiner Meinung nach absolut hochgeschaukelte Aktion ohne Mehrwert….
Januar 12th, 2009 at 16:47
Auf der einen Seite kann so ein Wettbewerb sehr aufregend sein, vor allem denke ich für die privaten Internetnutzer. Diese glaube ich, haben einfach einen Ansporn und wollen nach oben kommen damit. Die, die das geschäftlich machen wissen genau was sie tun müssen und mit welchen Mitteln an der ersten Stelle stehen. Allerdings ist der Hintergrund so einer Aktion sehr fraglich. Warum machen die das? Wer hat dafür bezahlt, dass dieses Wort nach oben gepushet wird? Das wäre für mich viel interessanter als dieser Wettbewerb an sich.
Januar 23rd, 2009 at 15:27
Kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Solche Aktionen gibt es aber immer wieder. Solange genug mitmachen, wird es auch wieder einen Riesenwirbel darum geben.