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    taz: "respektables Medienmagazin"

Anzeigenaffäre: PR-Agentur für Bundesregierung aktiv

Erstellt von AW am Montag 13. August 2007

Das Bundeswirtschaftsministerium wird die Zusammenarbeit mit der seit Freitag ins Gerede gekommenen Werbeagentur Flaskamp hinsichtlich der Veranstaltungsreihe „Dialogtour - Impulse für Wachstum” beenden. Die Agentur soll mehreren Regionalzeitungen die Schaltung von Werbeanzeigen für 30.000 bis 40.000 Euro in Aussicht gestellt haben, wenn sie sich maßgeblich nach konkreten Vorgaben der Agentur an der Veranstaltungsreihe des Wirtschaftsministeriums beteiligt hätten. Dieses unmoralische Angebot der für Bundeswirtschaftsminister Michael Glos tätigen Agentur wurde bereits letzte Woche vom ‚Kölner Stadt-Anzeiger’ publik gemacht. Demnach wären Steuergelder der Bundesregierung an den Verlag geflossen, wenn der Chefredakteur des ‚Kölner Stadt-Anzeiger’ die Veranstaltungsreihe in seiner Stadt moderiert hätte und es zu einer nachhaltigen Berichterstattung über die PR-Kampagne des Wirtschaftsministeriums in der Gesamtsausgabe des Blattes gekommen wäre.

Unter Hinweis auf die Freiheit der Berichterstattung und die übliche Trennung von redaktionellen Inhalten und Anzeigen, hatte das Blatt eine Teilnahme abgelehnt. Michael Konken vom Deutschen Journalisten Verband sieht darin einen „unzulässigen Eingriff“ über Werbeanzeigen „Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen”. Nicht nur Pressevertreter, sondern auch Bundespolitiker sehen darin “einen Missbrauch von Steuergeldern und einen Verstoß gegen die Bundeshaushaltsordnung”, so der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend sieht durch diesen “unglaublichen Vorgang” die Bundesrepublik schon in die Nähe einer „Bananen-Republik“ gerückt. Und Reinhard Bütikofer (GRÜNE) sprach sogar von „politischer Korruption“ durch die Bundesregierung.

Indes will das Bundeswirtschaftsministerium seine „Dialogtour“-Kampagne für die Stärkung mittelständischer Betriebe mit einem Gesamtbudget von 850.000 Euro fortsetzen, entweder mit anderen Agenturen oder notfalls in Eigenregie – jedoch nicht mit Flaskamp. Trotzdem wird die Agentur weiterhin auf Steuergelder hoffen können, da noch andere PR-Kampagnen des Wirtschaftsministeriums von Flaskamp weiterhin betreut werden sollen. Von dem Gesamtbudget sind bereits 140.000 Euro – wofür auch immer – verbraucht, so hat es bereits eine Veranstaltung in Potsdam, die von der Zeitung ‚Märkische Allgemeine“ und der dortigen Industrie- und Handelskammer durchgeführt wurde, gegeben.

Reiner Zufall ist vermutlich dafür verantwortlich, dass die Veranstaltung in Potsdam genau nach den Vorgaben durchgeführt wurde, so wie sie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erhalten haben will. Denn der Geschäftsführer der Zeitung „Märkische Allgemeine“, Peter Asmusen, erklärte: „Anzeigen waren in keiner Weise Teil eines Gesamtdeals“. Reiner Zufall muss es auch gewesen sein, dass die Agentur Flaskamp Anzeigen in der „Märkischen Allgemeine“ geschaltet hat. In Berlin dagegen konnte die Agentur Flaskamp ihre „Impulse für Wachstum” nicht versprühen, da die IHK Berlin die „Finanzierung“ der Veranstaltungsreihe für, so wörtlich, „dubios“ befunden habe und daher von einer Mitwirkung absah – wie ein Vertreter der Industrie- und Handelskammer gegenüber der ‚taz’ sagte.