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Archiv für September, 2007

Fall Madeleine: PR-Manager von Gerry und Kate McCann legt Regierungsamt nieder

Erstellt von AW am 18. September 2007

Clarence Mitchell, der als Regierungsdirektor für die Eltern der seit dem 3. Mai 2007 verschwundenen Madeleine McCann alle wichtigen Termine bei Prominenten aus Politik, Showbiz und Kultur einfädelte, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Regierungsdirektor des MMU, einer Abteilung des Presseamts der Londoner Regierung, zurückgetreten. Mitchell hatte im Kriminalfall der vermissten Madeleine zugunsten der Eltern, Gerry und Kate McCann, eine einseitige Medienkampagne mit Hilfe von zahlreichen Regierungsstellen (wie schon im Juni 2007 berichtet) geführt. Nun will Clarence Mitchell die neue Kampagne von Gerry und Kate McCann als privater PR-Berater fortführen.

Clarence Mitchell sagte, die Eltern von Maddie seien “unschuldige Opfer eines gemeinen Verbrechens”. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, habe er sein Amt als Direktor des MMU mit sofortiger Wirkung aufgegeben, teilte der frühere BBC-Reporter vor dem Haus der McCanns in der mittelenglischen Ortschaft Rothley mit. Mitchell, der bisher Regierungs-PR für die Londoner Regierung betrieb, bezeichnete die Vorwürfe gegen die Eltern als „irrsinnig“. Er habe an der Unschuld der Eltern von Madeleine McCann keine Zweifel, ergänzte der ehemalige PR-Manager der Regierung.

In der Tat dürfte Clarence Mitchell der letzte sein, der zu zweifeln beginnt. Denn von der Schuld oder Unschuld hängt nicht nur seine zukünftige Karriere, sondern auch der Ruf des gesamten Presseamts der britischen Regierung ab. Denn Clarence Mitchell fädelte als Regierungsdirektor für die Eltern von Maddie alle wichtigen Termine bei Prominenten aus Politik, Showbiz und Kultur ein. Nur durch ihn, durch Clarence Mitchell, dem Regierungssprecher, erhielten Gerry und Kate McCann sogar eine Audienz beim Papst. Was bleibt Clarence Mitchell da anders übrig, als die Verdachtsmomente gegen die Eltern als „irrsinnig“ zu bezeichnen. Denn wenn es nicht so wäre, wäre die von ihm gesteuerte Regierungskampagne nicht mehr begreiflich zu machen.

©2007 by Anatol Wiecki, Medienhure - Das Medienmagazin: www.Medienhure.de

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Maddiegate?

Erstellt von AW am 11. September 2007

Gewiss, im Fall der verschwundenen Maddie McCann machen momentan nicht viele Fakten, sondern Gerüchte die Runde. Eine Meldung wird von der nächsten überholt oder sogar von einer Meldung über eine Meldung bezüglich der Meldung einer anderen Meldung. So vermeldete um 12.04 Uhr schließlich die Deutsche Presse Agentur (dpa), die angesehene portugiesische Zeitung «Público» berichte, die dortigen Ermittlungsbehörden würden den Eltern, Gerry und Kate McCann, zur Last legen, „lediglich […] die Leiche ihrer vierjährigen Tochter verborgen zu haben“. Fast alle wichtigen Sender und Onlinemedien übernahmen diese Meldung oder berichten nun über eine dpa-Meldung, die über einen Bericht in einer portugiesischen Zeitung berichtet, die über mögliche neue Spuren spekuliert.

Stopp! Wie lautete die Meldung?

„Wie die Zeitung «Público» berichtete, werfen die Ermittler den Eltern Kate und Gerry McCann lediglich vor, die Leiche ihrer vierjährigen Tochter verborgen zu haben.“ (dpa, 11.09.2007, 12.04 Uhr)

Im Mai 2007 stellte die Blair-Regierung zunächst die Regierungssprecherin Sheree Dodd für die Pressebetreuung der Eltern der vermissten Maddie ab. Die Pressefrau im Regierungsauftrag reiste nach Portugal, um vor Ort die Ziele abzustecken. Schließlich wurde sie schon nach zwei Wochen durch Clarence Mitchell, einen ehemaligen Reporter der BBC, abgelöst.

Die Eltern wollten eigentlich in Praia da Luz bleiben, solange bis ihre nach ihren eigenen Angaben entführte Tochter Madeleine, die alle Welt mittlerweile Maddie nennt, wieder auftaucht. Doch Clarence Mitchell, zu dessen Aufgabe es auch weiter unter Premierminister Gordon Brown als Direktor der Regierungsbehörde MMU gehört, Nachrichten im Sinne der britischen Staatsmacht zu verpacken, überredete die Eltern zu der aufmerksamkeitserzielenden Welttournee. Fortan wurde die zum Tatzeitpunkt dreijährige Maddie als ein Werkzeug von der britischen Regierung benutzt.

Letztendlich wurden auch die medial unerfahrenen Eltern mißbraucht. Gut, sie sind Ärzte. Aber Mediziner sind Mediziner und keine Medienexperten, die langfristige Folgen hätten besser abschätzen können. Aber der noch von der früheren Tony Blair-Regierung beauftragte Clarence Mitchell dürfte als ehemaliger BBC-Reporter nur allzugut gewusst haben, was auf die Eltern der kleinen Maddie - was auch immer mit ihr geschehen sein mag – in Folge der öffentlichkeitswirksamen Medienkampagne, zu der er die Eltern überredete, noch zukommen könnte.

Viele selbsternannte Hobbypsychologen stellen die Eltern nun gerne als mediengeile Monster dar. Aber darf man ihnen soetwas unterstellen, bevor man sich versucht empathisch in Gerry und Kate McCann hineinzuversetzen?

Irgendwann im Mai 2007 wird es bei den McCanns geklingelt haben und da stand dann plötzlich jemand von der eigenen Regierung, der ihnen Hoffnung machte, ihnen erzählte, sie könnten ihre verschwundene Tochter mit Hilfe einer Reise durch die Welt wiederfinden. Denn irgendwo, musste Madeleine doch sein. Irgendwo auf dieser Welt?!

Wenn es die Entführung wirklich gab, dann macht das alles Sinn. Dann wären sie wirklich verzweifelt gewesen. Und sind verzweifelte Menschen in scheinbar aussichtslosen Situationen am Ende des Lichts, nicht bereit womöglich alles zu tun? Alles zu tun, um ihre kleine geliebte Maddie wiederzubekommen? Sie in ihren Armen zu halten?

An dieser Vorgeschichte ändern auch nichts die kursierenden Spekulationen über die sichergestellten DNS-Spuren im Kofferraum eines Renault Scenic, die angeblich von der kleinen Maddie stammen sollen, obgleich die Eltern des Mädchens den fraglichen Wagen erst 25 Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter angemietet hatten. Denn abgesehen davon, dass auch schon wieder die nächste Meldung über ein Dementi durchs Internet grassiert, wonach die portugiesische Polizei bestreiten würde, das das Labor in Birmingham eine hundertprozentige Übereinstimmung mit der DNS von Madeleine festgestellt habe, wären gefundene DNS-Spuren in dem Mietwagen, auch wenn dieser erst 25 Tage nach der Tat angemietet worden war, kein Beweis für irgendeine Schuld der Eltern.

Zum einen könnten die DNS-Spuren, soweit es welche gibt, von Textilien oder sogar von der Plüschkatze, die Kate McCann immer bis letzte Woche in Händen hielt, stammen. Zum anderen, dem dürfte noch eine viel wichtigere Bedeutung zukommen, gibt es aber auch noch die Zwillinge Sean und Amelie, die das gleiche Erbgut in sich tragen und damit auch die gleichen DNS-Spuren in 15 bis zu 20 relevanten Merkmalen hinterlassen, wie der Gerichtsmediziner Professor David Barclay anmerkte.

Schuldig oder Unschuldig?

Die von der britischen Regierung eingefädelte PR-Kampagne hat aus einem vermissten Kind einen Kultstar gemacht. Was würde eigentlich passieren, wenn sie tatsächlich a’ la Natascha Kampusch plötzlich wieder auftauchen würde? Ein normales Leben für Maddie wäre doch undenkbar. Und die Eltern? Sie machte der von PR-Profis der Regierung geführte bombastische Medienfeldzug zu Stars, die wie alle großen Stars, eine Riesenfangemeinde, aber auch eine ebenso große Hassgemeinde haben. War es nicht der Wunsch ihr eigenes Kind wieder lebendig in Armen zu halten, warum Gerry und Kate McCann dem Vorschlag von Clarence Mitchell zustimmte?

Die Frage, ob die Eltern an dem Schicksal ihrer Tochter Madeleine McCann, was auch immer an jenem verhängnisvollen 3. Mai 2007 in der Wohnung 5-A im Erdgeschoss des „Ocean Club“ in Praia da Luz, wo Kate und Gerry McCann zusammen mit ihren drei Kindern eine Ferienwohnung bewohnten, geschehen sein mag, wird die Weltpresse wahrscheinlich durch wilde Spekulationen im Minutentakt sicherlich niemals klären können.

Für Gerry und Kate McCann ist die Frage nach Schuld oder Unschuld eine persönliche Angelegenheit. Und wenn sie nichts mit dem Verschwinden von Maddie zu tun haben, dann würde man dies normalerweise unter „tragisches Einzelschicksal“ verbuchen. Aber für die Weltöffentlichkeit verbirgt sich nach dieser beispiellosen PR-Kampagne hinter der Klärung dieser quälenden Überlegung, die Frage, ob Menschen wirklich so kaltblütig sein können, zuerst ihre Tochter fahrlässig durch eine Überdosis, wie von der portugiesischen Polizei unterstellt, zu töten, um danach das Mitgefühl von Millionen Menschen zu mißbrauchen.

Zur Zeit kann niemand beurteilen, ob Gerry und Kate McCann schuldig oder unschuldig sind, ob die als überzeugte Katholiken präsentierten Eltern den Papst hintergangen haben, ob sie David Beckham und die Harry Potter-Autorin J.K. Rowling und die halbe Welt betrogen haben. Aber eines steht schon jetzt fest, nämlich wer die Eltern von Maddie durch seine Öffentlichkeitskampagne in ihre jetzige mißliche Situation gebracht hat. Denn all den Anfeindungen wären sie doch nicht ausgesetzt worden, wenn sie tatsächlich in Praia da Luz auf die Rückker von Maddie gewartet hätten, sondern dies ist erst dadurch verursacht worden, weil die Regierung von Tony Blair plötzlich auf die Idee kam, den Fall Madeleine für sich medial zu nutzen.

Warum nur? Warum ausgerechnet dieser Fall? Warum hat sich um die anderen 1200 Kinder, die auf der britischen Insel spurlos verschwunden sind, kein PR-Beauftragter der Regierung gekümmert? Welche Motive die Medienprofis der Londoner Regierung auch immer bewogen haben, ausgerechnet in diesen Fall aktiv zu werden, wissen wir nicht, aber eines wissen wir, dass hier ein kleines unschuldiges Kind für eine Regierungskampagne instrumentalisiert worden sein muss.

Wenn sich herausstellen sollte, dass die Eltern hundertausende Menschen, die sich für sie in der Blogosphäre oder in der realen Welt durch Solidaritätsbekundungen eingesetzt haben, belogen haben sollten, dann könnte man vielleicht von Maddiegate sprechen. Aber das, was der PR-Apparat der Londoner Regierung gemacht hat, ist Maddiegate.

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Fall Madeleine: Regierungssprecher mutiert zu „Freund der Familie“

Erstellt von AW am 10. September 2007

Die Medienmanipulation durch die britische Regierung im Fall Madeleine zugunsten der durch die portugiesischen Polizei verdächtigten Eltern, Gerry und Kate McCann, ist schon schockierend. Im gleichen Tempo wie die Eltern der kleinen Maddie McCann in der öffentlichen Meinung von Opfern zu mutmaßlichen Tätern mutierten, wandelte sich seit dem Wochenende auch ein hochrangiger PR-Berater der britischen Regierung vom „Sprecher der Regierung“ zu „einem Freund der Familie“. Was soll das?

In den ersten Tagen lag die Pressebetreuung für Gerry und Kate McCann in den Händen von John McCann, ein Onkel der vermeintlich entführten Madeleine. Daran wäre auch nichts auszusetzen gewesen, da jede Familie das Recht hat, vorausgesetzt die Entführungsgeschichte wäre wahr, sich in einer solchen Situation an die Öffentlichkeit zu wenden.

Aber schon bald fühlte sich aus unerklärlichen Gründen die damalige Regierung von Tony Blair auf den Plan gerufen und kommandierte ihren Spindoktor Clarence Mitchell als PR-Berater für die beispiellose Kampagne der Eltern ab. Clarence Mitchell ist auch unter Premierminister Gordon Brown weiterhin Direktor der MMU (Media Monitoring Unit), einer Regierungbehörde, die in erster Linie für das Presseamt der Londoner Regierung aktiv ist. Sein Job ist es also Medienschlachten für das Empire zu unterstützen. In den ersten Wochen ging seine Kriegstaktik wahrlich auf.

Nachdem aber die ersten Zweifel an der Version von Gerry und Kate McCann aufkamen, hörte man dann nichts mehr von Clarence Mitchell, dem „Sprecher der Regierung“. Spätestens seit dem Wochenende scheint die Geschichte völlig außer Kontrolle zu geraten. Es wäre für die britische Regierung auch wirklich sehr unangenehm, wenn Gerry und Kate McCann sich als Lügenbolde herausstellen würden. Denn noch im Mai 2007 suchte die britische Regierung einen „Campaign Manager“, der die nun beiden Hauptverdächtigen medial betreuen sollte.

Es gilt für jeden die Unschuldsvermutung, auch für Tatverdächtige. Aber wenn sich die Anschuldigungen der portugiesichen Polizei bewahrheiten sollten, wie soll dann die Regierung den Engländern erklären, mit welchem Recht sie ausländische Politiker und den Papst vorgeführt hat? Und vor allem, was bedeutet dies für die Glaubwürdigkeit der Regierung?

Das muss auch das amtliche Presseamt der Regierung in London gedacht haben. War das der Grund, weshalb der bis dahin schon vergessene Clarence Mitchell sich am Wochenende wieder für Gerry und Kate McCann einsetzte und der Presse wieder die Entführungsgeschichte, die doch wohl keiner mehr glauben will, erzählte? Selbst die Regierung in London dürfte Zweifel haben, denn ansonsten hätte sich Clarence Mitchell nicht nur als „ein Freund der Familie“ präsentiert, sondern eben als „Sprecher der Regierung“.

Bemerkenswert ist auch die Haltung fast aller Zeitungen hierzulande. Für fast alle Zeitungen scheint es kein Problem darzustellen, wenn die von einer staatlichen Regierungsbehörde gelenkte PR-Kampagne plötzlich als private Initiative „eines Freundes der Familie“ kaschiert werden soll.

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Eva Herman: Nach Buchvorstellung vom NDR gekündigt

Erstellt von AW am 9. September 2007

„Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin“, so begründete NDR-Programmdirektor Volker Herres die sofortige Entlassung der früheren Tagesschau-Moderatorin Eva Herman. Vorausgegangen waren Äußerungen der Beststellerautorin während einer Präsentation ihres neuen Buches “Das Prinzip Arche Noah” in Berlin. Dort erklärte die ehemalige „Miss Tagesschau“, im Dritten Reich sei “vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler”. Dann fügte sie hinzu: “Aber einiges auch sehr gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“, wie eine Reporterin des ‚Hamburger Abendblatt’ notierte. Die Buchautorin und Fernsehmoderatorin Eva Herman bestätigte ihre Äußerungen: „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.“

Bereits vor einem halben Jahr geriet Herman in die Schlagzeilen, weil sie im März 2007 beinahe bei einer Untergruppierung der rechtsnationalen FPÖ in Österreich aufgetreten wäre. Der Freiheitliche Parlamentsklub aus Österreich hatte sie für einen Vortrag eingeladen. Nach öffentlicher Kritik an ihren geplanten Auftritt, zog die ausgebildete Journalistin ihre Teilnahme an der Veranstaltung zurück, da sie im Vorfeld nichts von der Verbindung zu einer politischen Partei gewusst habe, sie sei von einem ihr „unbekannten Veranstalter“ eingeladen worden.

Hinter den Kulissen wird allerdings gemunkelt, der NDR habe schon lange auf einen Kündigungsgrund gewartet, um sich von der 48-jährigen Buchautorin, die 1983 bis 1986 den Beruf des Journalisten beim Bayerischen Rundfunk erlernte und seit ihrem Wechsel zum NDR ab 1988 über 19 Jahre beim Norddeutschen Rundfunk durch zahlreiche Sendungen führte, trennen zu können. Denn schon mit ihrem letzten Buch ‚Das Eva-Prinzip’ hatte sie eine neue Feminismus-Debatte ausgelöst, weswegen sie auch die Tagesschau-Moderation bei ARD-aktuell am 24. August 2006 nach 17 Jahren abgeben musste.

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Madeleine McCann: Die Medieninszenierung der britischen Regierung

Erstellt von AW am 7. September 2007

Der Papst und etliche international bekannte Politiker – wie der spanische Innenminister oder Berlins regierender Bürgermeister Wowereit – sind mit Hilfe eines ranghohen PR-Managers der britischen Regierung weltweit vorgeführt worden, sollte sich der Verdacht gegen die Elten von Madeleine McCann bewahrheiten. Oder anders gesagt: Das Vereinigte Königreich auf der Insel wäre bis auf die Knochen blamiert. Bereits vor über drei Monaten berichtete Medienhure – Das Medienmagazin über die Verwicklungen der britischen Regierung in dem Fall Madeleine, damals noch in der Annahme, Madeleine McCann sei entführt worden. Nun sieht es so aus, dass die gestressten Eltern ihr damals dreijähriges Kind mit Tabletten ruhigstellen wollten, um den Abend gemütlich verbringen zu können. Dabei, so vermuten Experten, habe die Mutter dem Kind versehentlich eine Überdosis verabreicht.

Sollte sich diese Theorie bewahrheiten, dann hätte die Regierung ihrer Majestät ein ernsthaftes Erklärungsproblem. Denn die gigantische PR-Maschinerie der Eltern von Madeleine McCann wurde in den ersten Wochen von Clarence Mitchell koordiniert. Mitchell ist nicht etwa Chef einer kleinen PR-Agentur in einem Londoner Hinterhof, die die Eltern gebucht haben könnten, sondern Direktor einer Abteilung des Central Office of Information (COI), - übersetzt ins deutsche - der Propagandastab der britischen Regierung, Das COI ist stolz auf seine exzellente Marketingkompetenz – wie man der Startseite des COI im Internet entnehmen kann. Die britische Regierung hatte Clarence Mitchell für die Eltern von Madeleine als Berater quasi abkommandiert. Erst als sich das Blatt zu wenden schien und die Zweifel immer lauter und lauter worden, zog die Regierung ihren PR-Mann als persönlichen Berater für die Eltern von Madeleine McCann ab.

Aber bis dahin hatte Clarence Mitchell beste PR-Arbeit im Sinne der Elten der kleinen Madeleine geleistet. Zahlreiche Prominente wie David Beckham wurden in die gigantische PR-Maschinerie eingespannt. Aber nicht nur bei Prominenten aus Sport und Showbiz konnten Kate und Gerry McCann dank der tatkräftigen Unterstützung des amtlichen britischen Presseamts punkten. Clarence Mitchell und die diplomatischen Auslandsvertretungen von Großbritannien organsierten auch Treffen der Eltern mit ranghohen Politikern, dies reichte von einem gemeinsamen Fototermin mit dem spanischen Innenminister und gipfelte in einer persönlichen Audienz beim Papst.

Alles koordiniert durch Clarence Mitchell von der britischen Regierung. Aber nicht nur die Mächtigen der Welt sind mit Hilfe der britischen Regierung vorgeführt worden, danach entwickelte sich eine Eigendynamik, so dass selbst Unternehmen wie McDonald’s auf den Werbefeldzug der Eltern der kleinen Madeleine aufsprangen und Poster der vermissten Madeleine abdruckten. Dank der Mega-Medienkampagne konnte jeder Zweifel schnell mit einem künstlichen Sturm der emotionalen Entrüstung im Keim erstickt werden, so wurde eine Reporterin des Hessischen Rundfunks, die die von der britischen Regierung gepushten Eltern auf einer in Berlin stattfindenden Pressekonferenz im Juni 2007 nach einer möglichen Verstrickung fragte, durch britische Medien für ihre „grausame Frage“ als „verachtenswürdig“ (Daily Mirror) gegeißelt. Das die Pressekonferenz nicht irgendwo, sondern selbstverständlich im Bundespresseamt der deutschen Bundesregierung stattfand, braucht wegen der Unterstützung durch die britische Regierung nicht extra erwähnt werden.

Jeder hat das Recht auf die Unschuldsvermutung. Aber die Allgemeinheit hat auch ein Recht auf objektive Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden. Wie kann man von der Polizei unter einen derart aufgebauten medialen Druck noch erwarten, in eine andere Richtung zu ermitteln? Erst seit gesten werden Kate und Gerry McCann zum ersten Mal getrennt voneinander verhört. In jedem gleichgelagerten Fall wäre dies sofort geschehen. Aufgrund des von der britischen Regierung anfänglich verursachten medialen Drucks, müssen doch die heutigen Erkenntnisse wie eine schallende Ohrfeige für Clarence Mitchell vom Presseamt der britischen Regierung wirken.Ob in Deutschland vor 20 Jahren auch der damalige Regierungssprecher der Bundesregierung, Peter Boenisch, auf die Idee gekommen wäre, eine PR-Schlacht für „Mutter Weimar“ zu inszenieren, man weiß es nicht. Wohl eher nicht. Und die britische Regierung wird es sich beim nächsten Mal, wohl gründlicher überlegen. Denn durch die aktive Unterstützung der Regierung konnten die Eltern von Madeleine McCann nicht nur monatelang einen Heiligenschein, der ihnen jegliche moralische Immunität verlieh, tragen, sondern darüber hinaus Spendengelder in Millionenhöhe einsammeln.

Auch wenn sich der Fall Madeleine als ein Unfall herausstellen sollte und die Eltern aus Imagegründen, weniger aus Angst vor einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung, die Leiche der kleinen Madeleine ins Meer geworfen haben sollten, wird ein fader Beigeschmack immer haften bleiben. Alle Eltern, deren Kinder wirklich entführt worden sind oder in Zukunft entführt werden, sind Opfer dieser Medieninszenierung. Man wird sich immer dieses Falles zurückerinnern. Denn wer möchte schon ein zweites Mal betrogen werden?

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